Chinesische Studentin verschleppt, vergewaltigt und grausam ermordet: Lebenslang für Killer

Urteilsverkündung gegen Sebastian F. in Dessau.
Urteilsverkündung gegen Sebastian F. in Dessau.
© dpa, Sebastian Willnow, wil jai

04. August 2017 - 16:54 Uhr

Komplizin muss fünfeinhalb Jahre hinter Gitter

Im Prozess um die Vergewaltigung den Mord an der chinesischen Studentin Yangjie Li hat das Landgericht Dessau-Roßlau das Urteil verkündet: Der 21-jährige Sebastian F. muss lebenslang hinter Gitter, seine gleichaltrige Mittäterin Xenia I. wurde zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Zudem wurden beide zu einer Schmerzensgeldzahlung in Höhe von insgesamt 60.000 Euro verurteilt. Beide nahmen das Urteil ohne Regung entgegen.

Beim Joggen abgefangen und in eine leere Wohnung verschleppt

Die Vorsitzende Richterin Uda Schmidt sprach von einem "unfassbaren Verbrechen": Die Studentin habe ihr Leben lassen müssen, damit die Angeklagten ihre sexuellen Fantasien hätten ausleben können. Die junge Frau hatte die 23-Jährige im Mai 2016 bei einer Joggingrunde abgefangen. Anschließend missbrauchte sie sie gemeinsam mit ihrem Freund mehrfach in einer leerstehenden Wohnung.

Die beiden misshandelten die Chinesin so übel, dass sie starb. Die schwer entstellte Leiche wurde später im Freien gefunden, sie wies starke Verletzungen auf.

Dreifache Mutter nach Jugendstrafrecht verurteilt

Eine chinesische Studentin legt Blumen an dem Bild von der vor einem Jahr ermordeten Mitstudentin Yangjie Li während einer Gedenkfeier nieder, aufgenommen am 12.05.2017 in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt). Die Architekturstudentin war vor einem Jahr  v
Gedenkfeier ermordete chinesische Studentin Yangjie Li
© dpa, Peter Endig, pen

Die Staatsanwaltschaft hatte für Sebastian F. eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Vergewaltigung und Mordes gefordert, sie ging sie von einer besonderen Schwere der Schuld aus. Für Xenia I. - eine dreifache Mutter – hatten die Ankläger eine Jugendstrafe von acht Jahren Haft beantragt. Ihr sei zugute zu halten, dass sie vor Gericht Reue und Scham gezeigt hatte - im Gegensatz zu ihrem Ex-Partner. Der hatte zu den Vorwürfen geschwiegen und war teilnahmslos den mehr als 30 Verhandlungstagen gefolgt.

Die Verteidiger der beiden Täter hatten deutlich mildere Strafen von zehn und drei Jahren Haft gefordert: Aus ihrer Sicht lag kein Mord vor. Für den 21-jährigen Angeklagten hatten die Anwälte eine zehnjährige Jugendstrafe wegen Vergewaltigung mit Todesfolge beantragt, für seine Komplizin eine dreijährige Jugendstrafe wegen Vergewaltigung in besonders schwerem Fall. Das Gericht entschied sich für ein höheres Strafmaß, verurteilte Xenia I. aber nach Jugendstrafrecht.

Sie hatte im Prozess zugegeben, das Opfer angelockt zu haben und bei der Vergewaltigung dabei gewesen zu sein. Bei den Misshandlungen, die zum Tod der Studentin führten, sei sie aber nicht dabei gewesen. Die Verteidigung will das Urteil prüfen und in Revision gehen.

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Mörder stammt aus Polizistenfamilie

Die Angeklagte Xenia I. wird am 04.08.2017 in Dessau-Roßlau in einen Saal des Landgerichts geführt. Das Landgericht Dessau-Roßlau hat den Vergewaltiger und Mörder einer chinesischen Studentin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Seine mi
Xenia I. wird in den Gerichtssaal geführt.
© dpa, Sebastian Willnow, wil jai

Die Straftat hatte in Dessau-Roßlau Bestürzung ausgelöst - nicht nur wegen der Brutalität, sondern auch, weil der Angeklagte aus einer Polizistenfamilie stammt. Die Mutter hatte anfangs - als es noch keine Tatverdächtigen gab - an den ersten Befragungen in dem Fall mitgewirkt.

Es gab Vermutungen, wonach die Eltern Einfluss auf die Ermittlungen genommen haben könnten - inzwischen ist der Verdacht ausgeräumt. Empörung verursachte auch, dass die Eltern des Angeklagten einen Tag nach der Trauerfeier für die Getötete eine Eröffnungsparty für ein Gartenlokal in Dessau feierten.

Der Mörder ist offenbar ein notorischer Sexualstraftäter: Medienberichten zufolge gehörte zu den Zeugen der Staatsanwaltschaft eine Frau, die ebenfalls von ihm vergewaltigt worden sei.