Auf Grundlage von Antikörpern

China testet Medikament gegen Corona

Ein Mittel aus Antikörpern soll laut chinesischen Wissenschaftlern aussichtsreich als Medikament gegen Covid-19 sein.
© dpa, Martin Meissner, mm tba

19. Mai 2020 - 15:19 Uhr

Forschungen gegen Corona-Virus laufen weltweit

Auf der ganzen Welt arbeiten Forscher derzeit an einem Impfstoff und Medikamenten gegen das Corona-Virus. Nun will China Hoffnung geben: Ein Medikament mit Antikörpern soll bald helfen können. Erste Tests wurden bereits erfolgreich an Mäusen durchgeführt. Es könnte demnach bei der Behandlung von Infizierten eingesetzt werden und ihnen bei der Genesung helfen.

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Antikörper aus dem Blut bereits genesener Corona-Patienten

Das Mittel basiert auf Antikörpern, die die Forscher aus dem Blut von 60 Menschen gewonnen haben. Sie alle hatten die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bereits durchgemacht. Diese Antikörper wurden infizierten Mäusen injiziert - nach fünf Tagen sei die Viruslast bei den Versuchstieren zurückgegangen, sagte der Leiter des Pekinger Innovationszentrums für Genetik, Sunney Xie, der Nachrichtenagentur AFP. Xie hofft nun darauf, aus den Antikörpern ein "hoch spezialisiertes Arzneimittel" herzustellen, "das die Pandemie stoppen würde".

Medikament soll an australischen Patienten getestet werden

Die Wissenschaftler, die ihre Forschungsergebnisse bereits im Fachmagazin "Cell" veröffentlicht haben, hoffen darauf, dass das fertige Medikament schon Ende des Jahres zur Verfügung stehen könnte - und damit noch vor der erwarteten zweiten Infektionswelle im Winter. Eine klinische Studie ist nach Angaben von Xie bereits in Vorbereitung. Weil die Zahl der akut Erkrankten in China mittlerweile zu gering sei, werde das Medikament an Patienten in Australien und anderen Ländern getestet.

"Medikament könnte funktionieren", sagt Dr. Specht

Weil das Medikament an Mäusen bisher erfolgreich getestet wurde, könnte es auch gut bei Menschen funktionieren, so RTL-Medizinexperte Dr. Specht. "Wichtig ist aber: Das Medikament wäre kein Mittel um sich vor Corona zu schützen! Es könnte nur Leuten helfen, die bereits an Corona erkrankt sind. Je früher das Krankheitsstadium, umso besser. Denn je schwerer der Krankheitsverlauf, umso mehr Viren befinden sich im Körper. Dann könnte das Medikament unter Umständen auch keine Hilfe mehr sein", vermutet der Mediziner.

Da das Medikament aber erstmal an Menschen getestet werden muss, hält Dr. Specht eine Verbreitung noch in diesem Jahr für unwahrscheinlich: "Es muss ja erstmal geschaut werden, ob der Mensch das Medikament überhaupt verträgt und dann müssen im Labor die Antikörper im großen Stil künstlich hergestellt werden. Das kann schon eine Weile dauern."

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