China-Rückkehrer angekommen: Außenminister erleichtert

Heiko Maas (SPD), Außenminister, gibt ein Pressestatement. Foto: Michael Kappeler/dpa
© deutsche presse agentur

09. Februar 2020 - 14:30 Uhr

Ein Flugzeug der Bundeswehr ist mit Rückkehrern aus der schwer vom Coronavirus betroffenen chinesischen Stadt Wuhan in Berlin gelandet. Die Maschine kam am Sonntagmittag auf dem abgeschirmten militärischen Teil des Flughafens Tegel an. Außenminister Heiko Maas (SPD) äußerte sich nach der Ankunft erleichtert über die Ausreise der Deutschen.

Die 20 China-Rückkehrer - Deutsche und ihre Familienangehörigen - kommen nun in Quarantäne. Sie werden in einem Gebäude der Kliniken des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Berlin-Köpenick am südöstlichen Stadtrand untergebracht. "Auch bei dieser Rückkehr gilt, dass die Sicherheit an allererster Stelle steht", sagte Maas. Auch die Klinik, das DRK und die Berliner Gesundheitsverwaltung betonten, für das Klinikpersonal, Patienten und die Bevölkerung bestehe kein Grund zur Sorge.

Nach der Ankunft in Berlin-Tegel sollten die Menschen laut Gesundheitsverwaltung von einem Amtsarzt in Empfang genommen werden. Er sollte prüfen, ob bei Passagieren während des Fluges Symptome aufgetreten sind. Alle Passagiere würden auf das Coronavirus getestet, hieß es. Mit einem Ergebnis wurde für Montagmittag gerechnet.

Die Rückkehrer wohnen für 14 Tage in einem Verwaltungsgebäude, strikt getrennt von der regulären Patientenbetreuung, wie das DRK mitteilte. Auch die Betreuer gehörten nicht zum Mitarbeiterstamm der Kliniken. "Diese strikte räumliche und personelle Trennung trägt maßgeblich zur Sicherheit des Personals, der Besucherinnen und Besucher sowie der Patientinnen und Patienten in Köpenick bei", sagte ein DRK-Sprecher.

Für die Rückkehrer seien zwölf Zimmer eingerichtet, sagte der Leiter der internationalen Zusammenarbeit des DRK, Christof Johnen, am Sonntagvormittag. Es wurden Einzelpersonen, Paare und zwei Familien erwartet. "Für die Menschen ist es eine belastende Situation, deshalb soll ihnen der Aufenthalt so angenehm wie möglich gemacht werden." Den Menschen stehe unter anderem Fernsehen und W-Lan zur Verfügung, für die Kinder gebe es Spielzeug. Das Essen komme von einem Caterer in Einmalverpackung, die dann entsorgt werde.

Die Rückkehrer dürfen aber ihre Zimmer verlassen. Im Hof gibt es für sie einen mit einem Zaun abgeschirmten Bereich. Nach Worten des Ärztlichen Direktors der DRK Kliniken, Professor Matthias Pross, würden die China-Rückkehrer sicherheitshalber in kleine Gruppen aufgeteilt, um die Möglichkeit einer eventuellen Ansteckung zusätzlich einzuschränken.

Das DRK geht davon aus, dass sie alle gesund sind. "Wir gehen nicht davon aus, dass wir medizinische Versorgung sicherstellen müssen", sagte Johnen am Vormittag. Die Rückkehrer sollen im Schichtsystem rund um die Uhr von jeweils sieben freiwilligen DRK-Helfern betreut werden. Es handelt sich beispielsweise um Notfallsanitäter und Pflegekräfte. Es gehe hauptsächlich um die soziale Betreuung, bei Bedarf stehe auch ärztliche Hilfe bereit.

Unterdessen gibt es in Köpenick auch Sorge wegen der Unterbringung der Menschen aus China und der aus Sicht von Anwohnern spärlichen Informationen. "Egal, ob es in Köpenick ist oder wo anders, das gehört nicht in eine Großstadt", sagte eine Köpenickerin mit einem Protest-Plakat vor der Klinik.

In der Bundeswehr-Maschine, die in Berlin landete, waren auch 17 Menschen aus anderen europäischen Ländern und deren Angehörige, hieß es aus dem Auswärtigen Amt. Sie würden nun unmittelbar mit Sonderflügen nach Luxemburg, in die Niederlande sowie nach Österreich und Rumänien weiterreisen.

Vor gut einer Woche waren bereits rund 100 deutsche Staatsbürger und Familienangehörige mit einer Maschine der Bundeswehr in Frankfurt am Main angekommen. Sie sind in einer Kaserne im pfälzischen Germersheim in Quarantäne.

Die Zahl der bestätigten Infektionen durch das Virus stieg am Sonntag in China um weitere 2656 auf 37.198 Fälle. Außerhalb Chinas sind bislang mehr als 300 Infektionen bestätigt, davon 14 in Deutschland. Am Sonntag wurde der erste Fall auf Mallorca bekannt.

Die Zahl der Todesopfer durch das neue Coronavirus überstieg die der Sars-Pandemie vor 17 Jahren. Mit 89 neuen Todesfällen durch die Lungenerkrankung, die Chinas Gesundheitsbehörde am Sonntag bestätigte, kletterte die Gesamtzahl der Opfer weltweit auf 813.

Quelle: DPA