Chinesen stellen Kanzlerin einen Stuhl hin

China-Premier lässt Merkel sitzen

© dpa, Michael Kappeler, mkx tba

6. September 2019 - 8:15 Uhr

China-Premier steht bei Hymne

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf einer heiklen diplomatischen Mission in China. Am Freitag ist sie in Peking von Premier Li Keqiang mit militärischen Ehren empfangen worden. Aus Angst vor erneuten Zitteranfällen, haben die Chinesen vorsorglich Stühle bereitgestellt, so dass Merkel während der Zeremonie sitzen konnte. Ihr Amtskollege stand hingegen auf, als die chinesische Hymne ertönte.

Merkel in einer unangenehmen Situation

Bei den vergangen Staatsbesuchen blieben Merkels Amtskollegen aus Rücksicht auf die Kanzlerin noch sitzen, als die beiden Staatshymnen spielten. Allerdings fanden die Empfänge in Berlin statt. Im Ausland sieht das ganz anders aus. In Peking stand Premier Keqiang auf, als die chinesische Nationalhymne nach der deutschen ertönte und brachte Merkel damit wohl in eine unangenehme Lage. Denn bei vorherigen Staatsbesuchen in Berlin wurde darüber gerätselt, wie Merkel reagieren müsste, wenn ein Staatsgast aufstehen sollte. 

Grund für die ungewöhnliche Maßnahme sind die wiederholten Zitteranfälle der Kanzlerin, die für Spekulationen über ihren Gesundheitszustand sorgten. 

Viele fordern von Merkel klare Worte

Noch kurz bevor die Kanzlerin in Peking eintraf, ist es zu einem Eklat um die Zulassung der in Peking ansässigen deutschen Journalisten gekommen. Die chinesische Seite verweigerte der Mehrheit der Korrespondenten eine Teilnahme an der gemeinsamen Pressebegegnung von Merkel und Premier Li Keqiang, die nach ihren Gesprächen geplant war. Die "große Halle des Volkes" sei zu klein, so die Begründung.

Hintergrund ist womöglich eher die Angst vor kritischen Fragen zu den Unruhen in Hongkong oder zum Handelsstreit zwischen den USA und China. Viele fordern von Merkel klare Worte. Am Abend gibt Chinas Staatspräsident Xi Jinping ein Essen zu Ehren der deutschen Kanzlerin.