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China: Giftgas-Alarm nach Explosionen in Tianjin

China: Giftgas-Alarm nach Explosionen in Tianjin

Neue Brände und Explosionen

Bei den Explosionen in einem Gefahrgutlager in der chinesischen Hafenstadt Tianjin ist die hochgiftige Chemikalie Natriumzyanid ausgetreten. Das haben die chinesischen Behörden nun bestätigt und die Notbremse gezogen: Sie riefen zur Evakuierung des Gebiets in einem Umkreis von drei Kilometern auf. Die Menschen wurden zudem aufgefordert, lange Hosen und Gesichtsmasken zu tragen.

China: Giftgas-Alarm in Tianjin
Mehr als 85 Menschen sind nach einer Serie von Explosionen ums Leben gekommen.
dpa, Wu Hong

Die Zahl der Toten ist inzwischen auf 104 gestiegen, mehrere Retter und eine unbekannte Zahl von Hafenarbeitern werden noch vermisst. Offenbar schwelte noch Feuer in dem riesigen Trümmergebiet, sodass sich neue Brände entzündeten. Am Samstag kam es erneut zu Explosionen. Reporter hätten sieben oder acht Detonationen gehört, berichtete die Nachrichtenagentur 'China News Service'. Starker Rauch stieg an mehreren Stellen über dem Unglücksgebiet auf.

Auf dem Hafengelände im Binhai-Distrikt der Millionenmetropole waren in der Nacht zum Donnerstag tonnenweise Chemikalien explodiert, dies hatte schwere Zerstörungen angerichtet. In einem kilometerweiten Umkreis gibt es Schäden. Wie die Nachrichtenagentur 'Xinhua' berichtete, lagen noch 721 Verletzte in Krankenhäusern.

Tausende Bewohner werden evakuiert

Bei der Evakuierung des umliegenden Gebiets gab es Verwirrung, wie Augenzeugen sagten. Auch eine vorübergehende Unterkunft in einer Grundschule für Menschen, die ihre Wohnungen verloren haben, wurde geräumt. Die Menschen wurden aufgefordert, Mundschutz zu tragen. Aufgebrachte Angehörige von vermissten Feuerwehrleuten stürmten eine Pressekonferenz und wurden von Sicherheitskräften zurückgedrängt.

Die Feuerwehrleute waren zu dem Einsatz in dem Gefahrgutlager gerufen worden, ohne zu wissen, was dort brannte oder gelagert war. Auch setzten sie Wasser ein, was bei Chemikalien wie dem unter anderem dort gelagerten hochgiftigen Natriumzyanid explosive Reaktionen auslösen kann. Die hohe Opferzahl löste Diskussionen aus, ob Feuerwehrleute für solche Situationen ausreichend ausgebildet sind. Die Bergungsarbeiten kamen angesichts der anhaltende Gefahr durch die Chemikalien nur langsam voran.

Als Reaktion auf die Katastrophe ordnete die Regierung landesweit Inspektionen bei Unternehmen an, die mit gefährlichen Chemikalien und Explosivstoffen umgehen. Die Lehren aus dem Unglück seien "äußerst tiefgreifend", fand die Kommission für Arbeitssicherheit. Es "enthüllt einen Mangel an Sicherheitsbewusstsein bei Unternehmen und eine lockere Umsetzung von Sicherheitsvorschriften", zitierte Xinhua. Andere Probleme seien eine "unangemessene Handhabung von Gefahrgütern an Häfen, uneinheitliche Praktiken unter Arbeitern, schwache Reaktionen von Rettungskräften auf Zwischenfälle und lasche Aufsicht durch Behörden", zitierte die Staatsagentur. Behörden müssten den Umgang mit Gefahrgütern strenger kontrollieren. Das Chemikalienlager in Tianjin lag nur 500 bis 600 Meter von großen Wohnsiedlungen entfernt.