Opfer von mildem Urteil enttäuscht

Chemnitzer Firmenchef filmte Mitarbeiterin auf dem Klo - jetzt kommt er mit Geldstrafe davon

Der Angeklagte Heiko U. (l) während der Gerichtsverhandlung.
Der Angeklagte Heiko U. (l) während der Gerichtsverhandlung.
© RTL

04. Februar 2019 - 17:28 Uhr

Keine Haftstrafe für Angeklagten

Für die 31-Jährige Yvonne R. war es ein riesiger Schock, den sie immer noch nicht überwunden hat: Ihr Chef filmte sie heimlich, während sie bei der Arbeit auf der Toilette war. Wegen der skandalösen Aufnahmen musste sich Firmenchef Heiko U. vor dem Amtsgericht Chemnitz verantworten. Jetzt ist das Urteil im Prozess gefallen: Der 47-jährige Angeklagte muss eine Geldstrafe von 3.600 Euro zahlen.

Gericht: Heiko U. ist schuldig

Keine Haftstrafe für Heiko U. - das ist das Urteil des Richters am Amtsgericht Chemnitz, das den Fall um die heimlich angefertigten Klo-Aufnahmen in einem Chemnitzer Telefonshop verhandelt hat. Das Gericht befand den Angeklagten zwar in fünf Fällen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten sowie des Verschaffens kinderpornographischer Schriften für schuldig. Der Mann kommt jedoch mit einer Geldstrafe von 3.600 Euro davon, die er in 90 Tagessätzen zu je 40 Euro abbezahlen muss. Damit folgte der Richter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung des Angeklagten hatte auf Freispruch plädiert.

"Ihr Motiv: Sie haben Interesse an ihr gehabt, um solche Aufnahmen zu fertigen.", sagte Richter Albert Linßen in seinem Urteil. Dass er wie behauptet mit den Aufnahmen nichts zu tun habe, glaube der Richter dem 47-Jährigen nicht. "Es war sein Rechner, sein Zugang, sein Passwort, sein Betrieb, seine Toilette und seine Mitarbeiterin. Die Indizien reichen für mich", so der Richter. Dass er die Aufnahmen nach dem Fund löschen wollte, belastete den Angeklagten zusätzlich. Da ansonsten nur Frauen Zugriff auf den betreffenden Computer hatten, hatte einzig Heiko U. von vornherein ein plausibles Motiv für die Tat gehabt.

Chef hatte Kamera in Staubsauger versteckt

Nur durch einen Zufall war die 31-Jährige auf die Klo-Aufnahmen aufmerksam geworden: Eine ihrer Kolleginnen in dem Chemnitzer Telefonshop hatte beim Speichern einer Datei Videos in einem Ordner gefunden. Darauf zu sehen: Yvonne R. auf der Toilette der Firma. Als sie den Chef Heiko U. auf die Aufnahmen ansprach, wies dieser jede Schuld von sich, verlangte sogar, dass sie gelöscht werden.

Doch Yvonne und ihre Kollegin fotografierten die Bilder ab und wandten sich an die Polizei. Bei den Ermittlungen verhärtet sich dann der Verdacht gegen Heiko U., als Spezialisten mithilfe eines Programmes gelöschte Dateien wiederherstellten und fünf Videos sicherten, auf denen Yvonne zu sehen war. Aus den Videos hatte Heiko U. einzelne Bilder herausgeschnitten, von denen einige versehentlich in den Gastzugang des PCs gerutscht waren. Wie sich später herausstellte, hatte der Ladenbesitzer eine Kamera in einem Staubsauger versteckt und diesen gezielt vor der Kloschüssel positioniert. Die Ermittler fanden außerdem noch kinderpornographische Fotos auf dem Computer.

Für Yvonne R. ist der Vorfall eine Katastrophe. Sie ist nicht nur geschockt, dass sie am eigenen Arbeitsplatz ausspioniert wurde. Auch von Heiko U. ist sie tief enttäuscht, denn die beiden waren auch privat befreundet. Wegen des Vorfalls war sie außerdem so traumatisiert, dass sie sich lange nicht auf öffentliche Toiletten traute.