Ohne "Mr. Internet" guckt Ebersdorf in die Röhre

Rentner (75) versorgt Dorf mit Internet und TV

Rentner (75) versorgt Dorf mit Internet und TV
Rentner (75) versorgt Dorf mit Internet und TV
Morgenpost Sachsen / Uwe Meinold

Hüter der Antennenanlage muss regelmäßig nachregeln

Ohne ihn sieht die Dorfgemeinschaft schwarz! Rentner Gerd Anke regelt im Chemnitzer Ortsteil Ebersdorf (Sachsen) das Internet und den TV-Empfang. Wenn der Hüter der Antennenanlage die alten Kupferkabel nicht regelmäßig nachregelt, gucken 150 Bürger in die Röhre.

„Manchmal bricht ein Kabel und ich muss die Erde aufbuddeln“

Ohne Gerd Anke wäre das Dorf längst abgehängt.
Ohne Gerd Anke wäre das Dorf längst abgehängt.
Morgenpost Sachsen / Uwe Meinold

„Wenn ich den Stecker ziehe, bleiben alle Bildschirme schwarz. Wenn Gott bei mir den Stecker zieht, auch“, schildert Gerd Anke dem Nachrichtenportal Tag24 den Fall. Der 75-Jährige macht sich Sorgen, weil weder Stadt noch private Netzbetreiber seine Mitbürger in Zukunft versorgen und das alte Netz erneuern wollen.

Es mutet nostalgisch an, doch der „Mr. Internet“ von Ebersdorf befördert den Ort mit seinen brüchigen Kabeln zurück in die Zukunft: In einem Garten des Dorfes hat Gerd Anke eine frühere Badzelle mit Technik vollgestopft. Von hier aus betreibt er seine Antennenanlage – und versorgt 122 Haushalte mit Internet von 13 bis 93 Mbits, wie Tag24 weiter berichtet.

Regelmäßige Messungen ergeben Werte von nur 13,4 Mbits – für den rüstigen Rentner viel zu langsam. Zumal er die alten Kupferkabel bei Hitze nachregeln muss, damit jeder Empfang hat. „Manchmal bricht ein Kabel und ich muss die Erde aufbuddeln“, klagt er.

Wohngebiet wird nicht mit Glasfaser versorgt

Anke sorgt sich um die Zukunft seiner Dorfgemeinschaft: „Ich habe Panik, dass wir abgehängt werden.“ Die Stadt treibt zwar aktuell mithilfe eines Förderprogramms den Ausbau von unterversorgten Randgebieten voran. Insgesamt 10.000 Glasfaseranschlüsse sollen bis Ende dieses Jahres entstehen. Aber: Das Wohngebiet der Ebersdorfer Antennengemeinschaft wird nicht dabei sein.

Für den ehrenamtlichen Netz-Manager unbefriedigend: Der Rentner fordert Gigabit-Geschwindigkeit in ganz Chemnitz – auch im Ortsteil Ebersdorf.