'Charlie Hebdo': Bewegende Pressekonferenz zur neuen Ausgabe der Satirezeitung

14. Januar 2015 - 19:52 Uhr

'Charlie Hebdo'-Zeichner Luz erklärt das Titelbild

"Es ist nicht das Titelblatt, das die Terroristen wollten", erklärte Zeichner Renald Luzier bei einer emotionalen Pressekonferenz, auf der das neue Cover der Satirezeitung 'Charlie Hebdo' präsentiert wurde. Ein mutiges Cover, mit dem die Macher dem Terror die Stirn bieten.

Neue Ausgabe der 'Charlie Hebdo'-Satirezeitung in Rekordauflage gedruckt
Chefredakteur Gérard Biard, Zeichner Luz und Kolumnist Patrick Pelloux bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Ausgabe.
© dpa, Yoan Valat

Nur eine Woche nach dem Anschlag auf die Redaktion der französischen Satirezeitung erscheint diesen Mittwoch die neue Ausgabe des Blattes. Und zwar mit einer Rekordauflage von drei Millionen Exemplaren - rund 60.000 Exemplare waren es sonst. Auf dem Titel: eine Zeichnung des Propheten Mohammed, der trauernd ein Schild mit der Aufschrift "Je suis Charlie" (deutsch: "Ich bin Charlie") in den Händen hält. Über der Zeichnung steht "Tout est pardonné" - "Alles ist vergeben".

Der verantwortliche Künstler, der unter dem Kürzel Luz zeichnet, erklärte, ihm seien die Tränen gekommen, als er seine Zeichnung gestaltete. "Das ist jetzt die neue Seite eins, damit hatten wir unser Titelblatt", so der Zeichner. Die Botschaft scheint klar. Sie lautet: Dies war das blutige Werk fehlgeleiteter Terroristen - nicht des Islam.

"Ich möchte, dass der Geist von 'Charlie Hebdo' weiterlebt"

Angesprochen auf die Gefahr, die mit der Veröffentlichung einer weiteren Mohammed-Karikatur einhergeht, sagte Luz: "Ich mache mir keine Sorgen wegen der Titelseite." Die Redaktion würde auf den Humor vertrauen, so der Karikaturist weiter. "Die Menschen, die diesen Anschlag verübt haben, sind einfach Menschen ohne Humor. Man muss die Humorintelligenz loben, die muss ihren Platz im Leben haben."

Beim Zeichnen des Bildes habe er auch an die Menschen gedacht, "die gestorben sind und keine Zeichner waren", erklärte Renald Luzier. "Und deshalb sage ich: Ich bin Charlie, ich bin Polizist, ich bin Jude, ich bin Moslem, aber ich bin auch Atheist."

In seiner emotionalen Rede blickte Luz auch auf den Tag des Anschlages zurück. Er selbst überlebte nur, weil er zu spät zur Redaktionskonferenz kam. Fassungslos habe er das Chaos nach dem Anschlag vorgefunden. Die Redaktion verlor am 7. Januar herausragende Redaktionsmitglieder und Zeichner. Doch die Botschaft an die Welt formulierte Luz trotz der Trauer um die toten Freunde klar: "Was ich möchte, ist dass der Geist von 'Charlie Hebdo' weiterlebt."