Ein Kommentar von Frauke Holzmeier

Chaos um Corona-App verspielt wichtiges Vertrauen

Wer an Corona erkrankt, kann es in der App eingeben und diese warnt die Menschen, die sich in der Nähe aufgehalten haben – alles anonym.
© info@maren-winter.de, MAREN WINTER

04. Mai 2020 - 14:25 Uhr

App gegen das Coronavirus: Vertrauensverlust statt Vorreiter-Rolle

Es hätte der Beweis dafür sein können, dass Deutschland digital mehr drauf hat als gedacht. Die Corona-App sollte in Rekordzeit entwickelt werden. Stattdessen haben sich Bundesregierung, Wissenschaftler und Datenschützer in einen Streit um das richtige Vorgehen verstrickt und Vertrauen verspielt. Die Folgen sind fatal.

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Corona-Warn-App: Wie sollen die Daten gespeichert werden?

Digitale Hilfsmittel könnten die Lösung dafür sein, dass wir das öffentliche Leben wieder hochfahren können. Gerade das Zusammensein mit anderen Menschen, ein Abend im Restaurant oder Biergarten fehlt vielen Deutschen. Eine App könnte da helfen. Wer an Corona erkrankt, kann es in der App eingeben und diese warnt die Menschen, die sich in der Nähe aufgehalten haben – alles anonym.

Und tatsächlich: Es sah so aus, als ob Deutschland bei der Entwicklung der App aufs Tempo drückt. Das digitale Entwicklungsland als Vorreiter bei der Corona-Warn-App. Alles im Einklang mit dem Datenschutz und auf Freiwilligkeit beruhend. Doch auf der Zielgeraden entbrennt ein öffentlicher Streit über die Art und Weise, wie die Daten gespeichert werden sollen – zentral oder dezentral. Und die Bundesregierung steht dumm da.

Deutsche Telekom und SAP sollen App bauen

Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum der zentrale Ansatz von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Die Bundesregierung hatte die Rechnung ohne Apple und Google gemacht. Denn fast 100 Prozent der Smartphones in Deutschland laufen auf den Betriebssystemen der beiden Firmen. Und diese hatten sich auf den dezentralen Ansatz festgelegt, also alle Daten werden auf den Handys gespeichert und verarbeitet. Das hätte eigentlich auch die Bundesregierung wissen können.

Inzwischen sind die Deutsche Telekom und SAP am Zug. Die beiden Konzerne sollen im Auftrag der Bundesregierung nun eine App mit einem dezentralen Ansatz bauen. Ob das ein Erfolg wird? Fraglich nach dem Chaos zuvor. Denn der Erfolg hängt davon ab, dass möglichst viele Menschen die App nutzen und Vertrauen in die Technik haben. Doch Deutschland hat mal wieder bewiesen, dass es sich bei digitalen Projekten in Diskussionen verzettelt und so die Bürger verunsichert.

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