04. März 2021 - 18:34 Uhr
Kein einheitlicher Weg bei weiteren Schulöffnungen
Seit Wochen sitzen Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen zu Hause vor ihren Tablets und Laptops: Nach einem Vierteljahr soll es ab dem 15. März aber wieder losgehen mit Präsenzunterricht. Eine generelle Schul-Öffnung ist allerdings nicht in Sicht, genauso wenig wie ein gemeinsames Vorgehen.
"Der Präsenzunterricht sollte nach und nach über alle Jahrgänge mit Umsicht und Vorsicht unter Berücksichtigung des aktuellen Infektionsgeschehens ausgeweitet werden", sagte dazu Bundesbildungsministerin Anja Karliczek dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Nötig seien Wechselunterricht mit nur jeweils halben Klassen in der Schule und Abstandsregeln.
Bund und Länder hatten bei ihren Beratungen festgestellt, dass die Länder in eigener Verantwortung Schritte gehen könnten. Das sagte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller.
Bayern, Brandenburg und Baden-Württemberg öffnen am 15. März - Sachsen-Anhalt geht Sonderweg
Bayern macht zusammen mit Brandenburg den Anfang. Dort dürfen ab dem 15. März alle weiterführenden Schulen im Wechselunterricht öffnen, wenn sie in Regionen mit einer 7-Tage-Inzidenz unter 100 liegen. Damit können in diesen Bundesländern noch vor den Osterferien in weiten Teilen alle Schülerinnen und Schüler wieder die Schule besuchen, mindestens zeitweise und in kleineren Gruppen.
Auch Baden-Württemberg geht am 15. März den nächsten Öffnungsschritt bei den Schulen, wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann dem SWR sagte. "Übernächste Woche werden wir weitere Öffnungsschritte bei den Grundschulen machen. Aber auch bei den Fünft- und Sechstklässlern sind weitere Öffnungsschritte eingeleitet. Das wird so ein eingeschränkter Regelbetrieb sein."
In Sachsen-Anhalt bleibt der Schulbetrieb in den meisten Landkreisen eingeschränkt. An den Schulen im Landkreis Mansfeld-Südharz dagegen gibt es ab dem 8. März wieder täglichen Präsenzunterricht mit vollen Klassenstärken für alle.
Schnelltests sollen Infektionen unterbinden
Ein bisschen Einigkeit gibt es aber doch. Um den steigenden Corona-Fallzahlen Rechnung zu tragen, sollen alle Schüler sowie das Schulpersonal einmal pro Präsenzwoche auf freiwilliger Basis getestet werden. Darauf hatten sich die Ministerpräsidenten beim Bund-Länder-Gipfel verständigt.
Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte in einer Studie festgestellt, dass sich Schüler weiterführender Schulen öfter mit Corona infizieren als Grundschüler. Das Risiko, in einen Ausbruch involviert zu sein, war bei den Kindern bis zehn Jahren am kleinsten. Auch das Krankheitsrisiko ist bei Betroffenen aus weiterführenden Schulen - zumindest laut einer vom RKI zitierten Studie - wohl höher als bei Schulen mit Jüngeren. Risiken für Ausbrüche gehen der RKI-Erhebung zufolge bei diesen überwiegend von Lehrkräften aus. Diese seien bei etwa der Hälfte der Ausbrüche bei den Sechs- bis Zehnjährigen der vermutete Primärfall.
Karliczek will benachteiligten Schülern helfen
Um die Folgen des monatelangen Lockdowns und des wochenlangen Homeschoolings aufzufangen, hat Bundesbildungsministerin Karliczek benachteiligten Schülern zusätzliche Hilfe in Aussicht gestellt. "Kinder mit größeren Lernrückständen brauchen umfangreichere Unterstützung", sagte sie im Bundestag. Zunächst müsse ermittelt werden, wie groß das Problem sei. "Dann können wir mit der Kultusministerkonferenz aktiv werden."
Im Bundestag räumte Karliczek ein, die Pandemie habe die Schwächen des Bildungssystems "gnadenlos" offengelegt. Doch nach der in den vergangenen Jahren als schleppend kritisierten Schuldigitalisierung komme das Geld aus dem Digitalpakt nun in den Schulen an. "Überall herrscht Aufbruchstimmung." Laptops für Schüler und Lehrkräfte sowie IT-Administratoren würden vom Bund gefördert. Neben vielen Schülerinnen und Schülern verlange die Pandemie auch Lehrkräften, Hochschullehrkräften und Ausbildern viel ab.