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Cem Özdemir steht bei der Münchener Sicherheitskonferenz unter Polizeischutz

Cem Özdemir unter Polizeischutz
Cem Özdemir unter Polizeischutz Polizei befürchtet Eskalation 01:49

Türkische Delegation reicht Beschwerde gegen Özdemir ein

Eigentlich wollen hochrangige Politiker aus aller Welt bei der Münchener Sicherheitskonferenz über sicherheitspolitische Themen diskutieren - nun steht einer von ihnen unter Polizeischutz. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir wird auf Schritt und Tritt von Polizeibeamten begleitet. Die türkische Delegation um den Ministerpräsident Binali Yildirim hatte Özdemir als "Terroristen" bezeichnet und sich über den Erdogan-Kritiker beschwert. Der Bundestagsabgeordnete war den türkischen Vertretern zufällig begegnet. Die Stimmung seitens der türkischen Bodyguards sei aggressiv gewesen, so Özdemir.

Türken "nicht erfreut" Özdemir zu sehen

Bereits am Freitagabend war Özdemir in der Lobby des Sofitel-Hotels am Münchner Hauptbahnhof der türkischen Delegation in die Arme gelaufen. "An ihrem Gesichtsausdruck konnte ich ablesen, dass sie nicht erfreut waren, mich zu sehen", verriet der Grünen-Politiker der 'Welt am Sonntag'. Zwar sei Özdemir dem türkischen Ministerpräsident Binali Yildirim und seinen Bodyguards aus dem Weg gegangen - doch das Treffen hatte ein Nachspiel.

Özdemir hatte in der Vergangenheit scharfe Kritik an Erdogan geäußert

Weil sich die türkische Delegation massiv über den von ihr als "Terroristen" bezeichneten Özdemir in ihrem Hotel beschwerte, entschieden die deutschen Sicherheitskräfte Beamte für den Schutz von Özdemir abzustellen. Er wurde am Morgen von seinem Zimmer aus zur Konferenz eskortiert, ihm wurde außerdem geraten, auf das Frühstück im Hotel zu verzichten. Man bekomme durch den Vorfall "einen Eindruck, welche Aggressivität von diesem Unsicherheitspersonal wohl in der Türkei ausgeht, wenn sie sich bei uns schon so aufführen", sagte Cem Özdemir. Er äußerte in der Vergangenheit wiederholt scharfe Kritik am türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Cavusoglu wirft Özdemir Lüge vor

Nicht erfreut über Cem Özdemirs Darstellung der Begegnung ist der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Er reagierte am Sonntag und bezichtigte den Grünen-Politiker der Lüge. "Er verliert Einfluss und wird sogar in seiner eigenen Partei diskriminiert. Ich glaube, er will wieder populär, oder zumindest sichtbarer werden", polterte Cavusoglu am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz. Er nannte Özdemir und den gerade aus türkischer Haft freigelassenen Journalisten Deniz Yücel in einem Atemzug: "Ihr Ziel ist es, unsere bilateralen Beziehungen zu ruinieren."

Türkische Leibwächter mit Vorgeschichte

Besonders brisant ist der Vorfall in München, weil die Leibwächter der türkischen Regierung in der Vergangenheit bereits negativ aufgefallen sind. Im letzten Jahr griffen Sicherheitsleute von Präsident Erdogan in den USA vor dem Weißen Haus in Washington eine Gruppe kurdischer Demonstranten an. Wegen des brutalen Angriffs erließen die USA Haftbefehle - sehr zum Missfallen von Erdogan. Die Bilder der Leibwächter-Attacke gingen um die Welt.

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