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CDU und Grüne: Welche Auswirkungen die Landtagswahlen für beide Parteien haben

Berliner Reaktionen auf Landtagswahlen

Die CDU taumelt, die Grünen genießen den Erfolg

14.03.2021, Berlin: Das Logo der CDU spiegelt sich in einer Pfütze vor der CDU Zentrale, Dem Konrad Adenauer Haus, nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die heutigen Landtagswahlen in Baden-W
Nach dem perfekten Fehlstart ins Wahljahr muss sich die CDU neu finden
mkx nwi, dpa, Michael Kappeler

Von Andreas Kock

Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind für die Parteistrategen im Großen und Ganzen eingetreten wie erwartet. Die Grünen genießen ihren Höhenflug, auch die SPD darf von Rückenwind sprechen. Nur die CDU, die erwischt ihre doppelte Niederlage mit voller Wucht, die Stimmung ist unterirdisch.

CDU: Es rumort gewaltig

Denn die CDU stand in beiden Ländern noch vor ein paar Wochen viel besser da, in Baden-Württemberg schien gar ein Sieg über die Grünen nicht ausgeschlossen. Nun heißt es mutmaßen, was diese Trendumkehr in kurzer Zeit verursacht hat. Da muss sich die Partei nachsagen lassen, dass mit den Kandidaten und ihren Programmen wenig Strahlkraft verbunden war. Die Konkurrenz war besser.

Zudem haben offenkundig Corona-Politik (sehr stark) und Maskenaffäre (weniger stark) von der Bundesebene aus ihre toxische Wirkung entfaltet. Das belastete die CDU mehr als den Berliner Regierungspartner SPD. „Die CDU muss jetzt endlich beweisen, dass sie Corona-Management kann“, fordert nun der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Carsten Linnemann im Zeitungsinterview mit der „Welt“.

Vor Bundestagswahl: K-Frage offen, ein Programm in den Sternen

Fest steht, die Unionspartei hatten es sich auf den guten Umfragewerten für ihr Corona-Management bequem gemacht. Der Kanzlerkandidat sollte daher erst sehr spät bestimmt und noch viel später ein Wahlprogramm geschrieben werden. Jetzt steht der CDU-Parteichef Armin Laschet im Regen. Fehlstart bei den Landtagswahlen, geht damit das K-Fragen-Los doch nach München, an den CSU-Chef Markus Söder? Und wer auch immer es wird, was bietet der Kandidat denn an? Laschet sprach nebulös von „Politik der Mitte“. Söder, ein Fragezeichen. Die Union hat jedenfalls nichts Vorzeigbares, was als Projekt oder Slogan beim Publikum die Fantasie erregen könnte.

Grüne genießen die Pole-Position

Das Vorrecht auf großer Bühne über Regierungskonstellation locker zu philosophieren, liegt ganz bei den Grünen. Schwarz-Grün oder der Schrecken der Union, eine Ampel im Bund, alles scheint möglich. Der Kampf gegen den Klimawandel sei das entscheidende Thema für die anstehenden Sondierungsgespräche in Baden-Württemberg, meint die Grünen-Chefin Baerbock. Wie radikal der dortige Spitzengrüne Winfried Kretschmann das deutet, wird sich zeigen. Dessen Eigenständigkeit, sich auch als kauziger und pragmatischer Konservativer zu zeigen, hat nicht wenig zum Triumpf im Südwesten beigetragen.

Die Grünen: Große K-Fragen-Gelassenheit

Kretschmanns Flexibilität, auch mal gegen Gendern und für die Automobilindustrie zu sein, ist bei den Berliner Grünen eigentlich unvorstellbar. Das spiegelt sich aber auch in den schwächeren Umfragewerten auf Bundesebene. Um so wichtiger wäre es vielleicht, einen Kanzler- oder Kanzlerinnenkandidat zu küren. Doch damit hat das Vorsitzenden-Duo keine Eile. Auch heute wieder ein Abwinken. Entschieden werde, wenn „die Blätter grün sind an den Bäumen, mit Blick auf die unterschiedlichsten Kriterien und Herausforderungen,“ sagte augenzwinkernd die Parteivorsitzende Annalena Baerbock, die angesichts der vielen männlichen Spitzenkandidaten der Konkurrenz wohl am besten den grünen Unterschied markieren könnte.