Frauen Perspektiven geben, statt Bordelle öffnen

Politiker fordern Prostitutionsverbot: "Menschenunwürdige und frauenfeindliche Tätigkeit"

16 Politiker fordern ein generelles Verbot der Sexarbeit.
© picture-alliance / dpa, Tim Brakemeier

19. Mai 2020 - 14:04 Uhr

Offener Brief an Regierungschefs der Länder

Angesichts der coronabedingten Schließung von Bordellen fordert eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten von Union und SPD ein Prostitutions-Verbot und Ausstiegsprogramme für Prostituierte.

Sexarbeit habe Wirkung von "epidemiologischem Super-Spreader"

Der während der Corona-Krise verhängte Shutdown für Prostitution dürfe nicht gelockert werden, verlangen sie in einem Brief an die Regierungschefs der Länder. Sie befürchten andernfalls Infektionsherde. "Es dürfte auf der Hand liegen, dass Prostitution die Wirkung eines epidemiologischen Super-Spreaders hätte - sexuelle Handlungen sind in der Regel nicht mit Social Distancing vereinbar", heißt es in dem Papier. Bei der Nachverfolgung von Infektionsketten werde aller Voraussicht nach der Kontakt mit Prostituierten verschwiegen.

Das Schreiben haben 16 Parlamentarier unterzeichnet, darunter die Gewerkschafterin Leni Breymaier (SPD), der Vizechef der Unionsfraktion und ehemalige Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sowie der Mediziner Karl Lauterbach (SPD).

Politiker wollen Prostitution generell untersagen

Überdies wollen die Politiker die aus ihrer Sicht in den meisten Fällen menschenunwürdige, zerstörerische und frauenfeindliche Tätigkeit untersagen, zu der die Frauen gezwungen würden. Die derzeitige Schließung der Bordellen bestätige, dass die Frauen keine eigene Existenz hätten - keine Anmeldung, keine Wohnung und keine Krankenversicherung. Sie seien ihren Zuhältern ausgeliefert. "Diesen Frauen hilft nicht die Wiedereröffnung der Bordelle, sondern eine Ausbildung oder Tätigkeit in einem existenzsicherndem Beruf."

Die Gruppe empfiehlt den Ministerpräsidenten die Einführung von Ausstiegshilfen nach schwedischem Modell. Dieses sieht Sprachkurse für die - in Deutschland überwiegend aus Osteuropa stammenden - Prostituierten sowie Wohnung, Gesundheitsversorgung und Traumatherapie vor.  Es gibt in Deutschland 33.000 behördlich registrierte Prostituierte und nach Zahlen der Abgeordneten bis zu 400.000 insgesamt.