CDU-Vorsitz und Verteidigungsministerin

Warum tut Annegret Kramp-Karrenbauer sich das an?

17. Juli 2019 - 15:45 Uhr

Ein Kommentar von Jutta Bielig, Leiterin des RTL-Hauptstadtstudios

Der Chefsessel im Verteidigungsministerium kann Schleudersitz sein oder ein Sprungbrett für höhere Ämter. Für Annegret Kramp-Karrenbauer ist die Übernahme des Amtes die letzte Chance, es doch noch irgendwie ins Kanzleramt zu schaffen. Es ist die Flucht nach vorn. Seit ihrer Wahl zur CDU-Chefin im Dezember ist ihr nichts wirklich geglückt, in der Wählergunst rutschte sie in den Keller.

Wer gar nicht erst kämpft, hat schon verloren

Jutta Bielig, Leiterin RTL Hauptstadtstudio
Jutta Bielig, Leiterin RTL Hauptstadtstudio
© RTL

Jetzt setzt sie alles auf eine Karte und nimmt entgegen aller Beteuerungen doch an Merkels Kabinettstisch Platz. Das ist ein Glaubwürdigkeitsproblem, doch in ihrem Kalkül überwiegen die Vorteile. Als Verteidigungsministerin  hat sie nun eine große Bühne, mit Marschmusik auf außenpolitischem Parkett ebenso wie im Bundestag, wo die CDU-Chefin ohne Sitz im Bundestag als Ministerin Rederecht hat.

Bekommt sie das schwierige Amt in den Griff,  ist sie im Spiel um die Merkel-Nachfolge wieder dabei. Das wird allerdings schwer, denn ihre Vorgängerin überlässt ihr einen ziemlich ramponierten Laden. Berateraffäre, Beschaffungsprobleme, Nachwuchssorgen sind nur einige Stichworte. Und für viele in der Truppe ist die Personalie eine Zumutung, denn mit Kramp-Karrenbauer übernimmt jemand ohne jede außen- und verteidigungspolitische Erfahrung das Amt.

Sie geht damit ein hohes Risiko ein, denn scheitert sie, war's das mit der Kanzlerschaft. Beim Militär gibt's dafür den Merksatz: Wirkung geht vor Deckung. Wer gar nicht erst kämpft, hat schon verloren. AKK mag zwar wenig Ahnung haben vom neuen Job, aber Schneid, den immerhin hat sie.