#cavalafrance: Frankreich, wie geht es dir? Fazit einer journalistischen Tour de France in fünf Etappen

Von Cosima Gill und Lisa Dupuy

Frankreich, wie geht es dir? Dieser Frage sind wir bei unserem Roadtrip nachgegangen. Noch haben die Franzosen einige Stunden Zeit, sich zu entscheiden, wem sie letztendlich ihre Stimme geben wollen. Und viele Wähler brauchen diese Zeit, denn zwischen 30 und 40 Prozent sollen noch unentschieden sein. Auf unserem Roadtrip quer durch Frankreich haben wir immer wieder gehört, dass die Wähler sich für das "kleinste Übel" entscheiden wollen.

Der Front National und die Franzosen

Wahlkampfplakate mit Marine Le Pen , Präsidentschaftskantidation des Front National, sind plakatiert im elsässischen Mulhouse. Die Aufschrift lautet: Remetttre La France en Ordre ( Frankreich wieder in Ordnung bringen). Foto:Winfried RothermelElectio
Wahlkampfplakate mit Marine Le Pen.
imago stock&people, imago/Winfried Rothermel, Winfried Rothermel

So richtig zufrieden ist keiner mit der politischen Auswahl. Von den 11 Kandidaten, die beim ersten Wahlgang am Sonntag antreten, gelten vier als Favoriten: die Rechtspopulistin Marine Le Pen, der konservative Kandidat Francois Fillon, der Linke Jean-Luc Mélenchon und zuletzt der sozialliberale Kandidat Emmanuel Macron.

Am ersten Tag unseres Roadtrips schauten wir uns den Front National genauer an. Wir sprachen mit Wählern in Marine le Pens Wahlbezirk Hénin-Beaumont und trafen junge Unterstützer der rechtspopulistischen Partei. In den Gesprächen wurde deutlich, dass besonders Marine Le Pens europakritischen Haltung die Bürger anspricht. Ihre Unterstützer wünschen sich mehr Selbstbestimmung für Frankreich, verstärkte Kontrolle an den Grenzen und eine Bevorzugung für Franzosen auf dem Arbeitsmarkt. Immerhin, mit der Idee, dass die EU reformiert werden muss, stimmen viele Franzosen überein. Dennoch zögern viele den Front National zu wählen, weil andere politische Ansätze der Partei zu extrem scheinen.

Macron als Hoffnungsträger für viele Wähler

Dass Reformen in der EU längst notwendig sind, meinen sogar die Unterstützer des europafreundlichsten Kandidaten Emmanuel Macron. Wir haben auf unserem Roadtrip vier junge Menschen getroffen, die 10 Wochen mit dem Bus durch Frankreich gefahren sind, um Wähler für Macron zu gewinnen. Sie haben sich Macrons Bewegung "En Marche!" (auf Deutsch: "Vorwärts!") angeschlossen, da er für einen politischen Wandel stehe und das politische System umkrempeln wolle.

Die Unterstützer wünschen sich ein weltoffenes Frankreich mit einer Zukunft in der Europäischen Union. Viele unentschiedene Wähler scheinen darüber nachzudenken, ob sie dieses Mal Macron ihre Stimme geben. In seiner Wahlkampagne, die von politischen Skandale überschattet wurde, gab er einigen Franzosen Hoffnung. Manche befürchten allerdings, dass er mangels politischer Erfahrung und mangels Unterstützung im Parlament kein starker Präsident werden könnte.

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Skandale statt Inhalte: "Wie soll man sich da entscheiden?"

Die französische Trikolore weht am 22.04.2017 vor dem Eifelturm in Paris, Frankreich, im Wind. Am 23.04.2017 finden in Frankreich die präsidentschaftswahlen statt. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Paris vor der Präsidentschaftswahl.
nie wst, dpa, Kay Nietfeld

Wer letztendlich die Wahl gewinnen wird, können weder Prognosen, noch das Dörfchen Donzy, das seit den achtziger Jahren so gewählt hat, wie ganz Frankreich, in diesem Jahr vorhersagen. Eine junge Wählerin sagte uns: "Im Wahlkampf standen die Skandale der Kandidaten im Vordergrund und nicht die Inhalte der einzelnen Parteien. Wie soll man sich da entscheiden?"

Diese Frustration über die französische Politik hörten wir auf unserem Weg immer wieder. Das Vertrauen in die Politiker sei verloren gegangen, behaupten viele Franzosen. Einige erzählten uns, sie wollten deshalb nicht wählen. Stiller Protest.

Großes Interesse trotz Unzufriedenheit

Wahlkampfplakate der elf franzöischen Präsidentschaftskantidaten sind plakatiert im elsässischen Mulhouse. Foto:Winfried RothermelElection campaign posters the Eleven Franzöischen  are plakatiert in Alsatian Mulhouse Photo Winfried Rothermel
Wahlkampfplakate in Mulhouse.im Elsass.
imago stock&people, imago/Winfried Rothermel, Winfried Rothermel

Trotz der großen Unzufriedenheit mit den Kandidaten und dem politischen System wird Politik überall diskutiert. Egal ob bei stundenlangen TV-Debatten der Kandidaten oder abends an der Bar. Jeder hat etwas zu sagen und vertritt eine eigene Meinung. Frankreich braucht eine neue politische Revolution, argumentieren einige Wähler.

Wie genau die politische Zukunft in ihrer Heimat aussehen soll, darüber sind sich die meisten Franzosen allerdings nicht einig. Die Ideen reichen von einem politisch weltoffenen Frankreich in der EU, bis zu einem isolierten Land, das sich auf seine eigene Interessen konzentriert.

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Werte, die vereinen

wuensche franzosen
Definitiv ein guter Wunsch!

Einig sind sich die Franzosen erst, wenn es um ganz unpolitische Wünsche geht. Als wir die Wähler nach ihrem persönlichen Wunsch für Frankreichs Zukunft fragten, bekamen wir oft diese Antworten: Meinungsfreiheit, Gelassenheit, Aufrichtigkeit und Frieden. Immerhin diese Werte vereinen Frankreich in einer politisch eher unruhigen Zeit.