Castoren rollen: Krawalle im Wendland

10. Februar 2016 - 11:27 Uhr

Proteste: Polizeiautos brennen

Brennende Polizeiautos, Blockaden und Wasserwerfer: Der Widerstand gegen den Castor-Transport nimmt zu, lange bevor er seinem Ziel in Gorleben nahekommt. Atomkraftgegner setzten mit Molotowcocktails im niedersächsischen Wendland zwei Streifenwagen in Brand, teilte die Polizei mit. Am Abend musste der Transport in Rheinland-Pfalz dann einen unplanmäßigen Halt einlegen – Demonstranten blockierten die Gleise.

Gegner auf den Gleisen: Castor-Transport zwischenzeitlich gestoppt
Die Polizei greift hart gegen Castor-Gegner durch.
© dpa, Hannibal Hanschke

Der Zug mit den Castor-Behältern wurde daher zwischen Neustadt an der Weinstraße und Haßloch gestoppt. 70 bis 100 Demonstranten waren nach Angaben der Bundespolizei in einem Abschnitt von etwa drei Kilometern auf die Schienen gestürmt und hatten so die Weiterfahrt zunächst blockiert. Nachdem die Polizei die Schienen "weitgehend friedlich" geräumt hatte, fuhr der Zug in Richtung Hessen weiter, wo er am Abend eintraf.

Wie schon am Vorabend gingen die Einsatzkräfte im Wendland mit einem Wasserwerfer gegen gewaltbereite Protestler vor und kündigten eine harte Linie an. Die Polizei sprach von einem ungewöhnlichen Ausmaß an Aggressivität. Beamte seien mit Steinen angegriffen worden, sagte ein Polizeisprecher in Lüneburg. In einem Waldgebiet an der Castor-Schienenstrecke werden 200 bis 300 Menschen vermutet. Molotowcocktails und Böller seien geflogen. Demonstranten versuchten laut Polizei, Steine aus dem Gleisbett an der Castor-Schienenstrecke zu entfernen.

Letzter Transport aus La Hague

Der Castor-Transport hatte am Freitagmorgen die französisch-deutsche Grenze bei Saarbrücken passiert. In Neunkirchen im Saarland legte er mehr als fünf Stunden Pause ein. Dann wurden Polizisten ausgetauscht, die Lok gewechselt und Strahlen gemessen. Die Gesellschaft für Nuklear-Service in Essen und Gorleben teilte mit, es gebe nachweislich keine Grenzwertüberschreitungen beim Castor-Transport.

Zum Auftakt der Proteste im Wendland hatte die Polizei am Donnerstagabend Wasserwerfer und Pfefferspray gegen Atomkraftgegner eingesetzt. Etwa 800 bis 1.000 Protestteilnehmer hatten nach Polizeiangaben eine Bundesstraße im Örtchen Metzingen blockiert. Vermummte hätten die Beamten mit Pyrotechnik, Flaschen, Steinen, Farbbeuteln und Eiern beworfen. Elf Polizisten und mehrere Demonstranten seien verletzt, fünf Protestierer festgenommen worden.

Die Polizei verteidigte den Einsatz. "Straßenblockaden werden nicht mehr hingenommen", sagte der Sprecher der Bundespolizei, Fabian Hüppe. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, forderte ein Ende der Gewalt. Anti-Atom-Organisationen sprachen von einer Machtdemonstration der Polizei.

Der Castor-Transport ist der letzte mit hoch radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in La Hague in Frankreich nach Gorleben in Niedersachsen. Der Transport des Atommülls dorthin ist seit vielen Jahren umstritten. Umweltschützer halten den Salzstock an der früheren DDR-Grenze für zu unsicher, um hier den Müll für immer in rund 800 Metern Tiefe zu lagern. Das Zwischenlager, wo der Müll bis zur Endlagerung abkühlen soll, liegt in der Nähe des Salzstocks.