Atommüll in Biblis erwartet

Castor-Transport erreicht nach Niedersachsen nun Hessen

04. November 2020 - 11:20 Uhr

An diesem Mittwoch ist der Atommüll in Castoren im Zwischenlager des stillgelegten Kernkraftwerks Biblis eingetroffen. Es ist der größte Rücktransport von Atommüll in Castoren nach Deutschland seit Jahren. Wie die Fahrt abgelaufen ist und ob es zu Zwischenfällen gab erfahren Sie im Video.

Von Sellafield über Nordenham nach Biblis

Der Castor-Zug mit Atommüll aus der britischen Atomanlage Sellafield ist heute (04.11.2020) im hessischen Biblis angekommen. Am Dienstagabend hatte der 600 Meter langen Zug mit sechs Castoren gegen 19.40 Uhr den niedersächsischen Hafen Nordenham verlassen. In der Nacht passierte er gegen 00.50 Uhr die Ländergrenze zu Hessen, um 5.30 Uhr Wächtersbach im Main-Kinzig-Kreis.

Das stillgelegte Kernkraftwerk in Biblis (Bergstraße) ist nun das neue Zwischenlager. Am Bahnhof in Biblis fuhr der mit den Castor-Behältern beladene Zug kurz nach 8.00 Uhr ein.

Für Deutschland ist es der erste große Rücktransport von Atommüll in Castoren seit neun Jahren. Nach Angaben der Bundesregierung muss Deutschland aufgrund internationaler Verpflichtungen seinen im Ausland aufbereiteten Atommüll zurücknehmen - aus Sellafield und aus der französischen Anlage La Hague.

Keine Zwischenfälle

Atomkraftgegner hatten Proteste entlang der möglichen Fahrtstrecken nach Süden angekündigt. Die Bundespolizei sicherte deshalb nach eigenen Angaben mehrere Bahnstrecken in Niedersachsen und Hessen, aber auch in Bremen und Nordrhein-Westfalen.

Die Protestaktionen verliefen laut Polizei friedlich. "Es gab keine Störungen während der Schiffsankunft, der Verladephase und während des Transportes", teilte die Polizei in Oldenburg mit. Lediglich drei Verstöße gegen die Corona-Regeln wurden festgestellt, weil kein Mund-Nasen-Schutz getragen wurde. Außerdem hatten Unbekannte im Bereich Nordenham unerlaubt eine Drohne steigen lassen.

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Kritik und Proteste

Die Castor-Transporte waren in Vergangenheit oft von großen Protesten mit Blockaden der Gleise begleitet gewesen. An dem Transport des gefährlichen Materials gibt es viel Kritik. Umweltschützer sehen Mängel am Zwischenlager Biblis und Sicherheitsdefizite bei den Castor-Behältern. Die für die Lagerung des hoch radioaktiven Atommülls zuständige Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) weist diese Bedenken zurück.

Das Bündnis «Castor stoppen» kündete Kundgebungen in Biblis unter Einhaltung der Corona-Regeln an. Unabhängig vom Fahrplan des Zuges sollte es am Nachmittag eine Demonstration geben.

Kritik an dem Transport hatte es auch angesichts der Corona-Epidemie und einer möglichen Gefährdung der eingesetzten Polizeibeamten gegeben. Die Polizei verwies auf ein umfassendes Hygienekonzept, die Gesundheit aller Beteiligten genieße höchste Priorität.

Quelle: DPA / RTL.de