RTL/ntv "Frühstart"

Unions-Fraktionsvize Linnemann: "Wir werden Wohlstands-Einbußen erleben"

27. März 2020 - 10:35 Uhr

Carsten Linnemann: "Ich erwarte Vorschläge"

Die Corona-Krise belastet die meisten deutschen Unternehmen gerade schwer. Viele Geschäfte sind wegen der strikten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus derzeit geschlossen. Die Frage: Wie lange halten die Unternehmen den Stillstand aus? 

Der stellvertretende CDU-Fraktionschef, Carsten Linnemann, hat nun betont, dass das Krise Spuren beim Wohlstand in Deutschland hinterlassen werde. "Wir werden Wohlstands-Einbußen erleben. Da führt kein Weg dran vorbei - übrigens für alle. Das geht vom Fußballer, über den Manager, bis hin zum Politiker. Das muss auch so sein." 

Von der deutschen Wirtschaft forderte Linnemann wiederum, dass sie Vorschläge zu Exit-Strategien für die Zeit nach Ostern macht. "Beispielsweise der Handel oder die Gastronomie: Wie kann man auf längere Sicht den Handel wieder öffnen, die Gastronomie offen machen, aber gleichzeitig vernünftig, umsichtig, adäquat mit diesem Virus umgehen? Ich hab jetzt mal alle angeschrieben, die ich kenne, dass sie mal Vorschläge machen", sagte Linnemann, auch Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, der RTL/ntv Redaktion (im Video).

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"Das sind doch Profis"

Der Handel wisse doch selber, wo er Desinfektionsmittel brauche, ob er in jedem Laden einen Spender brauche, wie viele Personen in einen Laden gehen könnten. "Das sind doch Profis, die können doch mit uns ins Gespräch kommen", so Linnemann. "Denn wir können uns einen Zustand wie jetzt über zwei, drei, vier Monate nicht leisten, das weiß jeder."

"Ich glaube, dass wir uns jetzt strikt an die Vorgaben halten müssen, damit wir diesen Virus eindämmen. Gleichzeitig müssen wir uns jetzt Gedanken machen über eine Strategie: Wie gehen wir in der Zeit nach Ostern mit diesem Land um?", sagte der CDU-Fraktions-Vize im RTL/ntv Frühstart. 

"Wie soll ein Herrenausstatter gerade arbeiten?"

Kritisch zu den Aussagen von Carsten Linnemann äußert sich Reinhard Houben, der wirtschaftspolitisch Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Zur RTL/ntv Redaktion sagte er: "Ich finde so eine Aussage ärgerlich. Die Menschen kämpfen ums Überleben und die Unternehmen haben ja auch reagiert." Corona sei weder ein Marktversagen, noch liege es an der Fantasie der Wirtschaft, dass die Leute nicht in die Geschäfte gehen. "Sie können es einfach gerade nicht", so Houben.

Zudem hätte der Handel ja reagiert: "Ich denke da an die Lebensmittelgeschäfte, in denen es mittlerweile Abstandsmarkierungen oder Eingangskontrollen gibt und bei Tankstellen gibt es z.B. Plexiglas-Scheiben vor der Kasse, um die Mitarbeiter zu schützen", sagte Houben.

Weiter sagte der FDP-Politiker: "Ich bezweifle, dass es nicht genug Ideen gibt aus der Wirtschaft und den Unternehmen. Aber die strikten Maßnahmen lassen derzeit vieles nicht zu. Wie soll ein Herrenausstatter eine Hose abstecken mit 1,5 Meter Abstandsregel?"