Cameron triumphiert bei der Wahl in Großbritannien: "Dies ist der süßeste Sieg von allen"

09. Mai 2015 - 9:56 Uhr

RTL-Reporter Carsten Lueb berichtet aus London

"Dies ist der süßeste Sieg von allen", sagte der strahlende Gewinner der Parlamentswahlen in Großbritannien, David Cameron, vor seinem Wahlkampfteam. Und das kauft man ihm ab. Denn seinen haushohen Triumph hatte so niemand erwartet: Der Premierminister ist als großer Sieger aus der Parlamentswahl hervorgegangen. Er und seine konservativen Torys werden künftig regieren können, ohne auf einen Koalitionspartner angewiesen zu sein.

Cameron triumphiert bei der Wahl in Großbritannien, Miliband verliert
Camerons größter Konkurrent und der Verlierer der Wahl: Ed Miliband.
© REUTERS, DARREN STAPLES

Die Tories brachten es nach Auszählung aller Wahlkreise auf 331 der 650 zu vergebenden Mandate im Unterhaus; vier Sitze aus Nordirland bleiben traditionell unbesetzt.

Cameron hatte im Fall einer Wiederwahl ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union angekündigt. "Bis 2017 wird es die Abstimmung geben. Die Briten sind schon seit langer, langer Zeit europaskeptisch. Deshalb dürfen wir gespannt sein, was bei der Abstimmung herauskommt, und vielleicht kommt dann noch das ein oder andere weitere EU-Land darauf, eine solche Abstimmung durchzuführen", meint RTL-Reporter Carsten Lueb, der aus London berichtet.

Labour-Chef Miliband tritt zurück

Der Labour-Politiker Ed Miliband, dem von Meinungsforscher bis unmittelbar vor Öffnung der Wahllokale gute Chancen auf eine Ablösung Camerons in der Downing Street vorhergesagt worden waren, wurde zum großen Verlierer der Wahl. Sie fuhr mit nur 232 Mandaten ein miserables Ergebnis ein. Miliband zog aus der Wahl-Schlappe die Konsequenzen und trat - ebenso wie der Parteichef der Liberaldemokraten, die nur auf 8 Mandate kamen - als Vorsitzender der sozialdemokratischen Labour-Partei ab.

"Das ist nicht die Rede, die ich halten wollte", sagte Miliband und bat für sein Scheitern um Entschuldigung. Die Party müsse sich nun erneuern. "Wir sind früher schon zurückgekommen, und diese Partei wird wieder zurückkommen."

Miliband hatte den Parteivorsitz 2010 übernommen, nachdem Labour mit dem früheren Premierminister Gordon Brown an der Spitze die Parlamentswahl verloren hatte. Er setzte sich im Rennen um den Posten knapp gegen seinen Bruder David Miliband durch, der unter Brown Außenminister gewesen war und eigentlich als aussichtsreicherer Kandidat gegolten hatte. Bis ein neuer Parteichef gewählt ist, wird die stellvertretende Parteivorsitzende Harriet Harman Milibands Posten übernehmen.

Im Vergleich zu 2010 hat Labour mehr als 20 Sitze im Parlament verloren. Besonders zu schaffen machte der Partei der Sieg der sozialdemokratischen Nationalpartei in Schottland, wo bisher auf nationaler Ebene überwiegend Labour gewählt worden war. Miliband war nach dem liberalen Parteichef Nick Clegg und Nigel Farage von der rechtspopulistischen Ukip der dritte Parteichef, der am Freitag seinen Rücktritt erklärte.