Cambridge Analytica suspendiert Alexander Nix - Facebook sieht sich im Datenskandal als Opfer

21. März 2018 - 13:58 Uhr

Facebook unter Druck, Chef Mark Zuckerberg schweigt

Welche Rolle spielte die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica bei der US-Präsidentschaftswahl? Was wusste Facebook über den Missbrauch der Daten von 50 Millionen Nutzern? Und welche Verbindungen gab oder gibt es ins Weiße Haus? Der Datenskandal zieht in den USA weite Kreise. Cambridge Analytica hat seinen Chef Alexander Nix suspendiert, Facebook-Boss Mark Zuckerberg schweigt. Sein Unternehmen bezeichnet sich als Opfer.

Half Cambridge Analytica Donald Trump im Wahlkampf?

Datenexperte Alexander Nix, Geschäftsführer von Cambridge Analytica, verlässt den Hauptsitz der Datenanalyse-Firma. Facebook schlittert in eine schwere Krise nach dem Skandal um den massiven Missbrauch von Nutzer-Daten.
Cambridge Analytica hat Chef Alexander Nix suspendiert. Er prahlte mit seinen Verbindungen zu Donald Trump und der Auswertung von Facebook-Daten.
© dpa, Dominic Lipinski, fgj

Die unrechtmäßige Datenauswertung von Cambridge Analytica könnte Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben. Die britische Firma soll Zugriff auf bis zu 50 Millionen Nutzer-Daten gehabt haben. Auf dieser Basis seien laut 'Guardian' und 'New York Times' dann personalisierte Anzeigen im US-Wahlkampf geschaltet worden sein.

Der Druck auf Cambridge Analytica hatte sich vergangene Woche noch einmal erhöht, als bekannt wurde, dass Firmenchef Alexander Nix einem Undercover-Reporter auf den Leim gegangen war. Ein britischer Journalist des Fernsehsenders 'Channel 4' hatte sich mehrfach mit Nix und anderen Top-Managern in Londoner Hotels getroffen. An einer Stelle des Beitrags prahlte Nix mit der Möglichkeit, negative Informationen über politische Gegner zu beschaffen oder sie mit privaten Daten zu erpressen. Auch von Kontakten mit Donald Trump ist die Rede. Nix wurde daraufhin von Cambridge Analytica suspendiert, aus dem Weißen Haus gab es keine Stellungnahme.

Facebook-Aktie im Sinkflug

Facebook Gründer und CEO Mark Zuckerberg.
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg steht durch den Datenskandal zunehmend unter Druck.
© REUTERS, STEPHEN LAM, SL/KAT

Im Zuge dieses Skandals gerät auch Facebook immer mehr in den Fokus der Ermittler. Die US-Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission (FTC) hat der 'Washington Post' zufolge eine offizielle Untersuchung gegen den Social-Media-Giganten eingeleitet. Facebook soll gegen eine Einigung mit der Behörde zum Schutz der Nutzer verstoßen haben. Der Ernst der Lage dürfte Facebook-Chef Mark Zuckerberg spätestens am Montag klar geworden sein, als sein Unternehmen an der Börse zwischenzeitlich rund 50 Milliarden Dollar an Wert verlor.

Facebook stellt sich in dem Skandal als Opfer dar, dabei soll seit 2015 bekannt gewesen sein, dass Cambridge Analytica massenhaft Nutzerdaten abgriff. Die Analysefirma habe laut 'New York Times' Umfragen zu Persönlichkeitsmerkmalen bei Facebook als wissenschaftliche Forschung getarnt. "Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. Den betroffenen Nutzern war nicht bewusst, dass ihre Daten weitergegeben wurden. Auch bei Facebook dürfte es jetzt personelle Konsequenzen geben. Sicherheitschef Alex Stamos steht vor dem Aus. In Fachkreisen genießt Stamos unter anderem deshalb hohes Ansehen, weil er als einer der wenigen Spitzenmanager öffentlich Fehler im Umgang mit Daten eingestand.