Wie setzt sich diese Zahl zusammen?

Neue Schätzung von Experten: Über eine Milliarde tote Tiere bei Buschfeuern in Australien

Buschbrände in Australien: Vor allem die Tierwelt und die Flora leiden massiv unter den verheerenden Feuern.
© dpa, David Mariuz, nwi

08. Januar 2020 - 10:31 Uhr

Vor allem die Tierwelt leidet

Die verheerenden Buschfeuer in Australien schockieren Australien und halten die Welt in Atem. Zehn Millionen Hektar Land wurden bisher durch die Feuer auf dem ganzen Kontinent vernichtet, fünf Millionen davon alleine im Bundesstaat New South Wales. Viele Menschen haben ihr Zuhause verloren, Bewohner großer Städte mussten evakuiert werden, Touristen wurden aufgefordert, die betroffenen Gebiete zu verlassen. Bislang gibt es 25 menschliche Todesopfer. Vor allem aber leidet die Tierwelt und natürlich die Flora unter diesem Desaster. Einer neuen Schätzung zufolge muss mit bis zu einer Milliarde toter Tiere gerechnet werden.

So kommt die geschätzte Zahl zustande

Die derzeitigen Schätzungen beruhen auf Forschungen des australischen Tierforschers Christopher R. Dickman von der University of Sydney im Auftrag des World Wildlife Fund (WWF). Er hatte im Jahr 2007 in Zusammenarbeit mit anderen Experten erforscht, welche Tierspezies und welche Anzahl von Tieren durch Rodungen zwischen 1998 und 2005 gestorben sind und welche Arten dadurch vom Aussterben bedroht sind.

Dabei bezogen die Forscher sich auf Feldstudien zur Populationsdichte von verschiedenen Tieren - sprich: Wieviele Tiere welcher Spezies leben im Durchschnitt auf einer bestimmten Anzahl Quadratmeter? So konnten Schätzungen zu bestimmten Tiergattungen hochgerechnet werden. Schon in der Studie von 2007 gab Dickman an, die Zahlen seien vorsichtig geschätzt.

Experte korrigiert Schätzung jetzt nach oben

Gegenüber der Huffington Post korrigierte Dickman nun seine vorherige Schätzung von 480 Millionen toten Tieren nach oben. Er geht von über einer Milliarde aus. Denn für viele Tierarten habe es in der Studie von 2007 keine Zahlengrundlage gegeben. Dort wurden nur Säugetiere, Vögel und Reptilien erfasst, Frösche, Fledermäuse und Wirbellose seien nicht berücksichtigt.

"Ohne jeden Zweifel", sagt Dickman, "wäre eine Milliarde dann noch immer sehr vorsichtig geschätzt." Auch für Stuart Blanch, Umweltforscher für den WWF, ist diese Zahl zu niedrig gegriffen. Es muss nach seinen Angaben auch davon ausgegangen werden, dass manche Spezies durch die Brände für immer verloren seien.

Biosicherheit in Gefahr: Drohen Seuchen durch zu viele tote Tiere?

In diesen Schätzungen sind auch alle Zuchttiere ausgenommen, die durch die verheerenden Brände getötet wurden. Die australische Landwirtschaftsministerin Bridget McKenzie schätzt, dass bisher mehr als 100.000 Weidetiere den Feuern zum Opfer gefallen sind. In den Gebieten, in denen die Feuer wüten, waren laut Angaben des Marktforschungsinstitutes Mecado insgesamt 11 Millionen Schafe und Rinder beheimatet. Bis genaue Zahlen vorliegen, wird es Monate dauern. Sie warnte davor, dass durch die große Anzahl toter Tiere die Seuchengefahr dramatisch ansteigt. Nun soll die australische Armee bei der Beseitigung der Kadaver in Tiermassengräbern helfen.

IM VIDEO: Australischer Influencer hilft der Feuerwehr und rettet Känguru-Baby