Erst jetzt flog er auf

Postbote hortet jahrelang 3.500 Briefe bei sich zu Hause

Ein Briefträger hortete Postsendungen in seiner Wohnung
© dpa, Polizeiinspektion Lichtenfels, kne abl

12. August 2020 - 13:50 Uhr

Chefin zeigte den Mann bei der Polizei an

Wohnen Sie in Burgkunstadt in Bayern und warten seit 2017 auf einen wichtigen Brief? Den könnten Sie bald endlich bekommen. Ein Postbote aus dem Ort in Oberfranken hat fünf Jahre lang Postsendungen einfach behalten und bei sich zu Hause gehortet. Postkarten, Werbesendungen, private Briefe und sogar wichtige Schreiben von Behörden: Dem Mann war die Dringlichkeit der Briefe offenbar egal – die Empfänger gingen leer aus. Erst jetzt flog der Mann auf. Seine Chefin zeigte ihn bei der Polizei an.

Auch wichtige Behördenschreiben wurden einfach nicht ausgeliefert

Kistenweise holten die Beamten die Briefe aus seiner Wohnung – am Ende waren es rund 3.500 Sendungen, wie die Polizei mitteilte. Offenbar hatte der Postzusteller die Briefe in verschiedenen Zimmern verteilt. Die älteste Post stammte aus dem Jahr 2015.

"Da waren auch Briefe vom Finanzamt und der Arbeitsagentur dabei", sagte ein Polizeisprecher. Nach einer Katalogisierung werde der Zustellservice die Sendungen nun "unverzüglich" an ihr Ziel bringen.

Warum bunkert ein Postbote 3.500 Briefe bei sich in der Wohnung?

Für welches Unternehmen der Mann arbeitete, wollte der Polizeisprecher nicht sagen. Die Firma hatte schon Mitte Juni Anzeige gegen den Mitarbeiter erstattet, weil der Mann mehr als 1000 Postsendungen nicht zugestellt hatte. 

Warum der Mann die Briefe jedoch einfach behielt, ist nicht klar. Zu den Gründen habe sich der Mann bisher nicht geäußert, hieß es von der Polizei: "Wir haben bisher keine Hinweise darauf, dass er wirtschaftliche Vorteile daraus ziehen wollte." Trotzdem muss er sich nun wegen Unterschlagung strafrechtlich verantworten.