Bundesweiter Ansturm auf Tafeln: "Flüchtlingen steht das Essen zu"

23. November 2014 - 8:09 Uhr

Ansturm wächst immer weiter

Bis zu fünf Tonnen Lebensmittel verteilen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel in Jena täglich. Doch damit wird längst nicht jedem Bedürftigen geholfen. Die Anzahl der Spenden geht zurück, gleichzeitig wächst die Nachfrage immer weiter. Vor allem immer mehr Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten Syrien und Afghanistan müssen versorgt werden.

Viele Tafeln stehen vor dem Problem, Bedürftige nicht mehr versorgen zu können.
Der Ansturm wächst, die notwendigen Spenden gehen immer mehr zurück: Viele Tafeln stehen vor dem Problem, Bedürftige nicht mehr versorgen zu können.

"Wir haben hier 1.000 Bedürftige pro Woche. Für die reicht das Essen gerade so. 200 Menschen, die auf der Warteliste stehen, können wir gar nicht versorgen", sagt Wilfried Schramm von der Jenaer Tafel. Bundesweit führt dieser erhöhte Ansturm bereits zu Engpässen.

Rund ein Drittel der Leute, die die Tafel in Jena besuchen, machen mittlerweile schon Flüchtlinge aus. In Erstauffanglagern werden sie mit Essen versorgt. Doch sind sie einmal auf die Kommunen verteilt, müssen sie selbst für ihre Ernährung sorgen. Da sind sie über die Hilfe der Tafel dankbar.

Einige Tafeln müssen Aufnahmestopps verhängen

"Denen steht es ja auch zu, die müssen ja auch irgendwo leben. Sie sind zufrieden und denken, 'Hauptsache wir haben essen und eine Wohnung', denn sie kommen ja aus Syrien und da ist es total chaotisch, da ist Krieg", sagt eine anstehende Bedürftige.

Mit 362 Euro stehen einem alleinstehenden Flüchtling laut Asylbewerberleistungsgesetz monatlich 29 Euro weniger zu als einem Hartz-IV-Empfänger. Viel zu wenig, sagt der Flüchtlingsrat, denn diese Menschen haben – anders als Arbeitslose – alles zurücklassen müssen. Sie besäßen fast nichts mehr, haben zudem oft hohe Anwaltskosten.

Allein gelassen mit immer mehr Hilfsbedürftigen haben einige Tafeln sogar schon einen Aufnahmestopp verhängt. Denn nur so können sie garantieren, dass zumindest ein Teil der Obdachlosen, der Hartz-IV-Empfänger und der steigenden Zahl an Flüchtlingen nicht leer ausgeht.