Bundesweit Kunden abgezockt: Schlüsseldienst-Betrüger vor Gericht

16. Januar 2018 - 10:09 Uhr

Hohe Anfahrtskosten, überflüssige Arbeiten und überzogene Rechnungen

Schlüsseldienste genießen allgemein keinen besonders guten Ruf. Das liegt unter anderem an Unternehmern wie diesem aus Geldern am Niederrhein: Mit hohen Anfahrtskosten, überflüssigen Arbeiten und weit überzogenen Rechnungen von bis zu 1.500 Euro soll ein bundesweit tätiger Schlüsseldienst seine Kunden systematisch ausgenommen haben. Gegen die 57 und 39 Jahre alten Betreiber hat jetzt in Kleve der Prozess begonnen.

Über 1.000 Fälle, mehr als 100 Zeugen

Die beiden Männer sollen deutschlandweit für angeblich ortsansässige Betriebe geworben und dabei Telefonnummern mit örtlichen Vorwahlen angegeben haben. Über diese Nummern sollen die Kunden in die Zentrale nach Geldern umgeleitet worden sein, die die Monteure in den jeweiligen Regionen losschickte. Die Monteure sollen alle Möglichkeiten ausgenutzt haben, um die Rechnungen in die Höhe zu treiben. Sehen Sie in unserem Video, was ein Opfer und ein Insider zu den Fällen sagen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Unternehmern bandenmäßigen Betrug und Wucher vor, Steuerhinterziehung und Veruntreuung von Arbeitsentgelten, weil sie für die Monteure keine Sozialabgaben gezahlt haben sollen. Nach Angaben des zuständigen Landgerichts in Nordrhein-Westfalen haben die Angeklagten die Tatvorwürfe im Wesentlichen bestritten. Zu dem Verfahren, das bis Juli angesetzt ist, sind über 100 Zeugen geladen, darunter viele Opfer. Angeklagt sind die beiden Männer wegen bundesweit insgesamt 1.009 Fällen, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen.

Ein Angeklagter saß schon wegen Betrugs in Haft

Der 57-jährige Angeklagte ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft schon einmal wegen dieser Betrugsmasche zu vier Jahren Haft verurteilt worden, nach der Hälfte der Zeit aber entlassen worden. Nach der Haftentlassung soll er seine kriminellen Machenschaften wieder aufgenommen haben. Die Verfahren gegen 200 Call-Center-Mitarbeiter und Monteure seien abgetrennt vom Prozess gegen die beiden Männer.

Unseriöse Schlüsseldienste sind den Verbraucherzentralen immer wieder ein Dorn im Auge: Solche Anbieter verlangten mitunter hohe dreistellige oder sogar vierstellige Beträge, nachdem sie die Tür aufgesperrt haben, kritisiert der Verbraucherzentrale Bundesverband.

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