"Wir unterstützen unsere europäischen Freunde“

Bundeswehr soll Portugal vor Corona-Kollaps retten

Das Gesundheitssystem in Portugal steht vor dem Zusammenbruch - die Bundeswehr fliegt jetzt in das Land um zu helfen.
Das Gesundheitssystem in Portugal steht vor dem Zusammenbruch - die Bundeswehr fliegt jetzt in das Land um zu helfen.
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02. Februar 2021 - 17:02 Uhr

Bundeswehr-Soldaten sollen drei Wochen bleiben

Letzte Hoffnung Bundeswehr: Deutsche Soldaten fliegen nach Portugal, um das Land vor dem Corona-Kollaps zu retten. In Portugal sind so gut wie keine Intensivbetten mehr frei. Das Land kommt gegen die Virus-Mutation nicht mehr alleine an. In den Krankenhäusern spielen sich dramatische Szenen ab. "Wir unterstützen unsere europäischen Freunde", erklärte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer.

865 Intensivbetten sind belegt

Das portugiesische Gesundheitsministerium bittet verzweifelt um Hilfe: 865 Intensivbetten, die für Covid-19-Patienten bereitstehen, sind belegt. Das Gesundheitssystem stößt damit an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Nach jüngsten Zahlen der EU-Agentur ECDC steckten sich zuletzt binnen 14 Tagen 1.429 Menschen je 100.000 Einwohner mit dem Virus an. Für Deutschland betrug dieser Wert gut 265. Die Johns-Hopkins-Universität zählte für Portugal bisher 726.321 Corona-Infizierte. 12.757 starben demnach im Zusammenhang mit dem Virus. Vor Krankenhäusern bildeten sich teilweise lange Schlangen von Krankenwagen, weil die Patienten nicht so schnell aufgenommen werden konnten.

Bundeswehrflugzeuge in Wunstorf
Die deutschen Bundeswehrsoldaten fliegen vom Fliegerhorst in Wunstorf nach Lissabon.
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Bundeswehr fliegt mit 26 Spezialisten und Ausrüstung nach Portugal

Am 3. Februar fliegt die Bundeswehr mit einem 26-köpfigen Team vom Flughafen Wunstorf nach Lissabon, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Acht Ärzte, ein Hygieneteam und zusätzliche Pflegekräfte sollen die portugiesischen Kollegen unterstützen. Ebenfalls an Bord der beiden Bundeswehrflugzeuge: Krankenbetten, Beatmungsgeräte und weiteres dringend benötigtes medizinisches Material.

Die Soldaten, die laut Ministerium vor ihrem Einsatz geimpft wurden, sollen zunächst drei Wochen bleiben. Falls nötig, will Deutschland auch noch weitere Hilfskräfte schicken. Portugal ist besonders stark von der als höher ansteckend geltenden Virusvariante betroffen, die zunächst in Großbritannien auffiel. Rund 70 Prozent des medizinischen Personals in Portugal sei selbst mit dem Corona-Virus infiziert, berichtete der "Spiegel".

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Deutschland ist das erste Land, das Portugal hilft

Deutschland ist das erste Land, das dem von der Corona-Pandemie schwer getroffenen Portugal ab Mittwoch praktische Hilfe zukommen lässt. Die portugiesische Gesundheitsministerin Marta Temido hatte sich am 25. Januar mit einem verzweifelten Hilfegesuch an Deutschland gewandt und um Unterstützung gebeten. Auch Österreich, Luxemburg und Spanien hätten Hilfe angeboten, berichtete die Zeitung "Público". In den Ländern liefen aber die Planungen für den Hilfseinsatz noch.

"Das Coronavirus stellt uns alle vor Herausforderungen", erklärte Kramp-Karrenbauer. Auch auf dem deutschen Gesundheitssystem lastete erheblicher Druck, sagte sie. "Dennoch sind wir davon überzeugt, dass gerade in diesen Zeiten Solidarität in Europa unverzichtbar ist." Der portugiesische Verteidigungsminister João Cravinho bedankte sich bei Deutschland für die angebotene Unterstützung.