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Bundesversicherungsamt erhebt Vorwürfe gegen gesetzliche Krankenkassen – so wehren Sie sich gegen die Tricks

So wehren Sie sich gegen die Tricks der Krankenkassen
So wehren Sie sich gegen die Tricks der Krankenkassen Bundesversicherungsamt erhebt schwere Vorwürfe 02:36

Krankenkassen tricksen, wenn es um unsere Gesundheit geht

Ewige Bearbeitungszeit, einschüchternde Telefonanrufe oder fehlende Informationen: Gesetzliche Krankenkassen tricksen uns systematisch aus. Das ist kein wütender Vorwurf aus der Bevölkerung, sondern genau das hat das Bundesversicherungsamt (BVA) nun offiziell erklärt.

Offizielles Schreiben des BVA an gesetzliche Krankenkassen

ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Hausärztin untersucht am 10.08.2012 in Waiblingen (Baden-Württemberg) in ihrer Praxis einen Patienten. Alte und kranke Menschen werden in der gesetzlichen Krankenversicherung immer wieder diskriminiert. Das geht aus dem j
Krankenkassen drücken sich gern vor Leistungen, die den Versicherten zustehen. © dpa, Benjamin Ulmer

Wird eine Rechnung nicht von der Krankenkasse übernommen, haben Versicherte das Recht, Widerspruch einzulegen. Doch das ist gar nicht so einfach. Gesetzliche Versicherungen wissen offenbar genau, wie sie ihre Kunden um ihr Recht bringen.

Wie das BVA den Kassen in einem offiziellen Schreiben vorwirft, sollen diese "bei der Widerspruchsbearbeitung nur unzureichend die Vorschriften des Sozialgesetzbuchs Zehntes Buch (SGB X) und des Sozialgerichts (SGG) beachten" und "regelmäßig Fehler bei der Widerspruchsbearbeitung" machen.

Trick Nr. 1: Zeitverzögerung

Wie die Tricks der gesetzlichen Krankenkassen genau aussehen? Im Wesentlichen wenden die Krankenkassen drei Tricks an: Die erste Variante ist die Zeitverzögerung. Die Kassen fordern immer wieder Unterlagen an, verschicken Stellungnahmen und lassen Gegengutachten einholen.

Das Ziel: Weil sich die Entscheidung über den Widerspruch so sehr in die Länge zieht, sollen Patienten denken, der Fall habe sich erledigt oder sei aussichtslos. Das BVA schreibt hingegen eine Bearbeitungszeit von maximal drei Monaten vor.

Trick Nr. 2: Telefon-Trick

Ältere Frau am Telefon.
Gerade ältere Menschen, die die finanzielle Unterstützung durch die Krankenversicherung eigentlich dringend bräuchten, lassen sich leicht verunsichern. © iStockphoto, HighwayStarz

Ebenfalls gerne angewendet wird der "Telefon-Trick": Mitarbeiter der Krankenkassen fragen direkt telefonisch bei den Versicherten nach, ob sie den Widerspruch aufrechterhalten wollen oder doch lieber zurücknehmen möchten.

Das Ziel: Versicherungen versuchen Patienten das Gefühl zu geben, dass der Widerspruch keine Aussicht auf Erfolg habe und schüchtern sie auf diese Weise ein. Laut BVA sind solche Anrufe "ohne relevanten Anlass" unzulässig. Zudem könne ein Widerspruch nur schriftlich zurückgenommen werden, um Missverständnisse zu vermeiden.

Trick Nr. 3: Fehlende Rechtsbelehrung

Um rechtliche Schritte seitens der Versicherten zu vermeiden, verzichten Krankenkasse zudem häufig darauf, dem Widerspruchsbescheid eine Rechtsbelehrung beizulegen. Patienten werden so nicht ausreichend über ihre Rechte informiert.

Das Ziel: Weiß der Versicherte nicht, welche Möglichkeiten er hat, um seine Rechte einzufordern, unternimmt er in der Regel auch nichts. Das BVA erklärt, eine solche Belehrung sei "zwingend" erforderlich.

Welche Rechte haben wir?

Welche Rechte wir als Versicherte haben und wie wir uns gegen die Tricks der Krankenkassen wehren können, erklärt Bettina Klett, Fachanwältin für Medizinrecht, im Video.

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