Bundestag beschließt höhere Diäten: Lohnentwicklung bleibt weiter Maßstab

13. Dezember 2017 - 19:38 Uhr

Höhe der Diät: 9541,74 Euro im Monat für Parlamentarier

Die gut 700 Bundestagsabgeordneten erhalten weiterhin jeweils zur Jahresmitte eine automatische Anpassung ihrer Diäten, die sich an der allgemeinen Lohnentwicklung orientiert. Das hat das Parlament in einer namentlichen Abstimmung beschlossen. Die anderen Parteien kritisieren die Entscheidung.

Bundestagsdiäten deutlich über Durchschnittsgehalt

Von 665 abgegebenen Stimmen votierten 505 für die Regelung, 152 stimmten dagegen, 8 enthielten sich. Damit müssen mehr als die antragstellenden Fraktionen CDU/CSU, SPD und FDP der Regelung zugestimmt haben. Diese kommen zusammen auf maximal 479 Sitze. Die Zustimmung war bereits im Vorfeld erwartet worden.

Seit dem 1. Juli 2017 beträgt die Diät für Parlamentarier monatlich 9541,74 Euro. Die einkommensteuerpflichtige Entschädigung selbst richtet sich nach dem Sold von Bundesrichtern. Sie wurde 2015 mit einer deutlichen Anhebung angepasst. Zwischendurch gab es auch etliche Nullrunden. Erstmals angewendet wurde die automatische Diätenerhöhung zum 1. Juli 2016. Regelmäßige Verhandlungen über die Abgeordnetendiäten sind damit überflüssig. 

Mehr Geld für Bundestagsabgeordnete - es hagelt Kritik

Der Bundestag reagierte mit dieser Regelung auch darauf, dass die jeweiligen Erhöhungen in der Bevölkerung häufig als Selbstbedienung umstritten waren. Denn das Parlament bestimmt selbst, was es bekommt. Die jeweilige Anpassung bekommen alle Abgeordneten. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 verdiente ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer in Deutschland durchschnittlich 3.703 Euro brutto monatlich. Hier finden Sie übrigens unseren Brutto-Netto-Rechner, mit dem Sie ihr Gehalt ganz einfach ausrechnen können.

Kritiker stören sich jedoch auch an diesem Automatismus nach der allgemeinen Lohnentwicklung. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, sagte: "Wir können es dabei niemanden recht machen". Die Regelung wurde von einer im Auftrag des Bundestags arbeitenden, unabhängigen Kommission begründet. Jeder neue Bundestag muss innerhalb von drei Monaten nach seiner Konstituierung entscheiden, ob diese Regelung weiter gelten solle.

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AfD macht Stunk gegen Diätenerhöhung

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Stefan Keuter von der AfD wettert gegen die Diätenerhöhung.
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In der kurzen Aussprache erntete Stefan Keuter von der AfD massive Kritik aus den Reihen von FDP, Linken und Grünen. Keuter rief den Abgeordneten zu: "Schämen Sie sich nicht?" Es gehe hier um hart erarbeitetes Steuergeld. "Automatismus ist schlicht eine Frechheit", schimpfte Keuter. Die AfD lehne das entschieden ab.

Der Parlamentarische Geschäftsführer Marco Buschmann argumentierte, so alt wie das Instrument sei, über die Diäten selber zu entscheiden, so umstritten und problematisch sei es. Deswegen hätten Populisten zu allen Zeiten versucht, antiparlamentarische Propaganda zu machen, sagte er an die Adresse der AfD. Britta Haßelmann von den Grünen warf der AfD in der Sache Scheinheiligkeit vor und erntete damit großen Applaus des Hauses.