Bundestag beschließt Ehe für alle: So haben unsere Abgeordneten abgestimmt

30. Juni 2017 - 14:10 Uhr

226 stimmten gegen die Gleichstellung homosexueller Paare

"Es war eine lange, intensive, für viele auch emotional sehr berührende Diskussion - das gilt auch für mich ganz persönlich", sagte Angela Merkel, als alles entschieden war. 630 Bundestagsabgeordnete hatten es in der Hand: Dürfen homosexuelle Paare in Zukunft gleichberechtigt heiraten oder nicht? Nachdem der Fraktionszwang bei der Abstimmung aufgehoben wurde, gab es eine klare Mehrheit für den neuen Gesetzesentwurf. 623 Abgeordnete gaben ihre Stimme ab, davon votierten 393 für ein Ja zur Ehe für alle. 226 Parlamentarier stimmten mit Nein, vier enthielten sich.

SPD, Linke und Grüne geschlossen dafür

Besonders eindeutig fiel die Entscheidung in den Reihen der SPD, der Linken und der Grünen aus. Bis auf zwei Abgeordnete, die nicht anwesend waren, stimmten alle Angehörige dieser Parteien geschlossen mit Ja. Doch auch innerhalb der Union gab es überraschend deutliche Zustimmung. Immerhin 75 Abgeordnete von CDU und CSU sprachen sich für die Ehe für alle aus – entgegen der eigentlichen Parteilinie.

Auch prominente Unionspolitiker sagen Ja

Jubel und Konfettiregen im Bundestag
Im Bundestag gab es nach der Abstimmung Jubel und Konfettiregen.
© imago/Jens Jeske, Jens Jeske/www.jens-jeske.de, imago stock&people

Unter den Ja-Sagern aus der Union waren auch einige prominente Mitglieder des Bundestages. Während Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), Innenminister Thomas de Maizière (CDU), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) mit nein stimmten, entschieden sich andere Regierungsmitglieder für die Gleichstellung homosexueller Paare. Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyern (CDU) entschieden sich für die Ehe für alle.

Auch von CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der früheren Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), Bernd Fabritius (CSU), Präsident des Bundes der Vertriebenen, und der Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Maria Böhmer (CDU), gab es Unterstützung für alle heiratswilligen Homosexuellen.

Merkel stimmte dagegen

Die Bundeskanzlerin selbst stimmte gegen die Öffnung der Ehe für alle. "Für mich ist die Ehe im Grundgesetz die Ehe von Mann und Frau", sagte Merkel (CDU) nach der Abstimmung. Die vollständige Begründung für ihre Entscheidung sehen Sie im Video. Merkel war in einem Interview von ihrem klaren Nein zur Ehe für alle abgerückt und hatte damit den Weg für die Abstimmung erst frei gemacht. Sie hoffe, dass mit der Abstimmung "auch ein Stück gesellschaftlicher Friede und Zusammenhalt geschaffen werden konnte".