Schluss mit dem Zettel-Chaos

Bundestag beschließt Digitalisierung der Patientenakten

Ab 1. Januar 2021 können Patienten Rezepte digitalisiert erhalten
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03. Juli 2020 - 16:50 Uhr

Röntgenbilder, Impfausweis und Co.

Rezepte, Arztbefunde, Röntgenbilder, Impfausweis und der Mutterpass. Diese und andere Patientendokumente sollen ab 2022 in digitaler Form vorliegen. Das hat heute der Bundestag beschlossen. Bereits ab Januar 2021 sollen Patienten freiwillig die elektronischen Patientenakte (ePA) nutzen können, um z.B. Rezepte bei der Apotheke einzulösen.

Digitalisierung auch bei den Patienten

"Wir wollen dafür sorgen, dass die Digitalisierung bei den Patienten ankommt, aber auch die Behandlung leichter wird", sagte Spahn in der Bundestagsdebatte vor der Abstimmung. Patienten können mit dem neuen Gesetz zukünftig also elektronische Rezepte auf dem Smartphone in der Apotheke einlösen. Das Zettelchaos in den Jackentaschen entfällt also. Außerdem sollen Ärzte Zugriff auf elektronische Patientenakten bekommen, damit z. B. kein Patient mehr ein Röntgenbild mit sich herumtragen muss. Neben Befunden, Arztberichten und Röntgenbildern können ab 2022 auch der Impfausweis, Mutterpass, das Vorsorgeheft für Kinder und das Zahn-Bonusheft in der Patientenakte gespeichert werden.

Kritik aus der Opposition

FDP und Linke kritisierten unter anderem, dass zum Start der elektronischen Patientenakte Versicherte zunächst nur entscheiden können, ob alle Daten oder gar keine in die Akte kommen. Auch beim Thema Datenschutz gab es heftige Kritik. Der Linken-Abgeordnete Achim Kessler sprach von einem "unausgereiften" Projekt. Die AfD kritisierte, dass die elektronische Patientenakte für Menschen ohne Smartphone nicht konzipiert sei und bemängelte Sicherheitslücken.

Krankenkassen begrüßen das Gesetz

Die gesetzlichen Kassen erwarten von dem neuen Patientendatengesetz einen "großen Schub" für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Laut einer Umfrage des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH) befürworten fast drei Viertel der Deutschen (72 Prozent) die elektronische Patientenakte. Negativ sehen 27 Prozent der Befragten die digitale Sammlung ihrer Gesundheitsinformationen, da sie das Missbrauchspotenzial für zu hoch halten.