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Bundestag: AfD-Fraktion verlässt bei Rede von Johannes Kahrs (SPD) den Saal

"Rechtsradikale im Parlament": AfD verlässt Plenum
"Rechtsradikale im Parlament": AfD verlässt Plenum Johannes Kahrs (SPD) teilt gegen die AfD aus 01:29

Johannes Kahrs teilt gegen die AfD aus

Beleidigtes Kind oder gerechtfertigte Empörung? Was auch immer der Auslöser war: Die deftigen Worte des SPD-Abgeordneten Johannes Kahrs während der Generaldebatte wollte die AfD-Bundestagsfraktion nicht hinnehmen. Die Abgeordneten der AfD verließen geschlossen den Plenarsaal.

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion hatte die Partei in der Generaldebatte zum Haushalt zuvor heftig angegriffen: "Rechtsradikale in diesem Parlament sind unappetitlich." Die AfD habe nur "dumme Sprüche" parat, keine Inhalte, keine Lösungen. "Man muss sich diese Traurigen da nur angucken", sagte Johannes Kahrs. "Hass macht hässlich, schauen Sie in den Spiegel."

Johannes Kahrs poltert - Rüge vom Bundestagsvizepräsidenten

SPD-Politiker Johannes Kahrs hat im Bundestag die AfD scharf angegriffen.
Johannes Kahrs (SPD) hat im Bundestag die AfD scharf angegriffen. © dpa, Kay Nietfeld, nie

Als von der AfD eine Zwischenfrage angemeldet wurde, sagte Kahrs: "Von Rechtsradikalen brauche ich keine, danke." Er warf der AfD zudem Spaltung vor und warnte vor Weimarer Verhältnissen, die in den Nationalsozialismus mündeten: "Schauen Sie in den Spiegel, dann sehen Sie, was diese Republik in den 20ern und 30ern ins Elend geführt hat."

Schließlich standen die AfD-Abgeordneten auf und verließen den Plenarsaal. Nach der Rede von Kahrs kehrten sie zurück. Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich rief als Sitzungsleiter Kahrs zu künftiger Mäßigung auf. "Ich glaube nicht, dass es zielführend ist, wenn wir eine solche Aggressivität hier in das Hohe Haus bringen. Das wird für die Beratungen in der Zukunft nicht zuträglich sein." Daraufhin meldete sich Barbara Hendricks von der SPD zu Wort und nannte es "befremdlich", dass Friedrich zwar Johannes Kahrs Aggressivität vorwerfe, man solche Äußerungen von ihm zur AfD aber noch nie gehört habe.

Auch Martin Schulz attackiert AfD scharf

Martin Schulze machte im Bundestag den Anfang.
Bundestag: Martin Schulz macht den Anfang. © dpa, Kay Nietfeld, nie

​Schon zuvor hatte der frühere SPD-Parteichef Martin Schulz die AfD scharf angegriffen und AfD-Fraktionschef Alexander Gauland vorgeworfen, er bediene sich in seinen Reden der überlieferten "Mittel des Faschismus". Gauland hatte Straftaten von Asylbewerbern und Flüchtlingen aufgezählt und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Flüchtlingspolitik für die Polarisierung im Land verantwortlich gemacht.

Daraufhin bat der SPD-Kanzlerkandidat von 2017 um das Wort. Die Reduzierung auf ein einziges Thema sei ein bekanntes Stilmittel: "Die Migranten sind an allem schuld. Eine ähnliche Diktion hat es in diesem Hause schon einmal gegeben", kritisierte Schulz mit Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus. "Und ich finde, es ist an der Zeit, dass sich die Demokraten in diesem Lande gegen diese Form der rhetorischen Aufrüstung, die am Ende zu einer Enthemmung führt, deren Resultat Gewalt auf den Straßen ist, (...) dass sich die Demokratie gegen diese Leute wehrt."

Es folgte lauter Beifall vieler Abgeordneter, schließlich erhoben sich zunächst Abgeordnete der Linken, dann auch von Grünen und SPD und applaudierten Schulz. Mit Blick auf Alexander Gaulands frühere Aussage, die Zeit des Nationalsozialismus sei im Verlauf der langen deutschen Geschichte nur ein "Vogelschiss", sagte Schulz: "Herr Gauland, die Menge von Vogelschiss ist ein Misthaufen. Und auf den gehören Sie in der deutschen Geschichte." 

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