RTL-Reiseexperte Ralf Benkö erklärt

Regierung zahlt für Thomas-Cook-Kunden: Was bedeutet das für Urlauber?

Der Bund will Thomas-Cook-Kunden finanziell helfen. Eine gute Nachricht für Urlauber - oder?
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18. Dezember 2019 - 16:56 Uhr

Bund will Thomas-Cook-Kunden entschädigen

Gute Nachrichten für Thomas-Cook-Kunden: Die Bundesregierung will für Kosten, die nach der Pleite des Unternehmens nicht von der Versicherung übernommen werden, einspringen. "Schäden, die nicht von anderer Seite ausgeglichen werden, wird der Bund ersetzen", teilte die Bundesregierung am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung in Berlin mit. Klingt gut, doch was bedeutet das konkret für Urlauber?

Frage vieler Thomas -Cook-Kunden: Wer gibt mir mein Geld zurück?

Nach der Pleite von Thomas Cook und Thomas Cook Deutschland im September 2019 standen viele Urlauber nicht nur vor der Frage, was aus der gebuchten Reise wird, sondern auch vor der Frage: Bekomme ich mein gezahltes Geld zurück?

Wer eine Pauschalreise gebucht hat, konnte erstmal aufatmen: Der Versicherer "Zurich Deutschland" sollte für die Kosten aufkommen. Das Problem: Versichert sind nur 110 Millionen Euro. Die Schadenssumme liegt nach vorläufigen Berechnungen mit 287,4 Millionen Euro deutlich über der versicherten Summe von 110 Millionen Euro, wie der Versicherer Zurich am Mittwoch mitteilte. Das heißt: Die Versicherung kann nur für einen Teil des entstandenen Schadens aufkommen.

Für Kunden von Thomas Cook war darum bisher nicht klar, ob sie auf einem großen Teil der Kosten sitzen bleiben würden.

Was bedeutet der Beschluss der Regierung für Thomas-Cook-Kunden?

Die Hilfe der Bundesregierung ist darum eine entlastende Entscheidung für Kunden. "Die durch die Thomas-Cook-Pleite betroffenen Urlauber können jetzt erstmal aufatmen", erklärt RTL-Reiseexperte Ralf Benkö. "Es ist zwar noch nicht alles klar: Wie das rechtlich genau gehen wird, wie die Auszahlung stattfinden wird, aber es ist eine Absichtserklärung. Wenn die Bundesregierung sagt, wir möchten dafür aufkommen, wir möchten nicht, dass die Urlauber auf 80 bis 90 Prozent des Schadens sitzen bleiben, dann ist das etwas, was einen schon mal entspannen kann."

Laut Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sollen Betroffene Anfang 2020 über Schritte zur Abwicklung informiert werden.

Die Entschädigung seitens der Bundesregierung ist eine gute Nachricht für betroffene Urlauber, so Ralf Benkö. Damit so etwas nicht wieder passiert, müssten Pauschalreisen allerdings auch in Zukunft besser abgesichert werden.

Checkliste: So sollten Betroffene jetzt reagieren

Ralf Benkö hat zusammengefasst, wie von der Thomas-Cook-Pleite Betroffene jetzt am besten vorgehen sollten:

  • Schaden melden: Falls noch nicht geschehen, sollten Betroffene den Schaden jetzt an die Zurich Versicherung oder den Schadenabwickler Kaera melden. Eine Auszahlung von 17,5 Prozent des Schadens sollte dann in den nächsten Wochen automatisch erfolgen.
  • Chargeback-Verfahren beantragen: Wer seine Reise über Visa oder Mastercard bezahlt hat, kann bei seiner Bank ein sogenanntes Chargeback-Verfahren beantragen. Bei diesem wird der Restbetrag von 82,5 Prozent als Schaden angegeben. Diese Summe sollte die Bank dann zurückerstatten. Für den Chargeback-Antrag gibt es verschiedene Fristen - zum Teil 120 Tage ab gebuchtem Reiseantritt bzw. 60 Tage nach Entscheidung der Versicherung zur Quote. Diesen Antrag sollte man stellen, sobald man das Schreiben der Versicherung zum Schaden bekommen hat.
  • Infos der Bundesregierung abwarten: Wer nicht mit Kreditkarte bezahlt hat, muss auf weitere Infos der Bundesregierung warten, die zugesagt hat, den Betrag, der nicht erstattet wird, zu übernehmen.
  • Anmeldung der Forderung beim Insolvenzverwalter: In Schreiben, die der Insolvenzverwalter verschickt hat, wird um Anmeldung der Forderung gebeten. Das ist mehr eine Formalie - über diesen Weg wird eher keine große Erstattung zu erwarten sein. Dennoch macht es Sinn, zu antworten - denn später könnte der Bund als Bedingung für einen finanziellen Ausgleich eine Abtretung der eigenen Ansprüche verlangen.
  • Vorsicht vor gefälschten Mails: Laut Kaera sollen derzeit gefälschte Mails im Umlauf sein, die eine schnelle Rückerstattung versprechen, wenn man sensible Daten von sich preisgibt. Seien Sie also vorsichtig, wenn Mails oder Schreiben im Rahmen der Thomas-Cook-Insolvenz seltsam wirken. Fälschungen zu den Schreiben des Insolvenzverwalters sind laut Kaera bisher nicht aufgefallen.

Was bedeutet das für Urlauber, die jetzt eine Pauschalreise buchen?

Noch ist nicht klar, wann eine neue Versicherungsregel für alle Urlauber greift. "Bisher sind wir noch im alten System", erklärt Benkö. "Wer jetzt bucht, hätte noch eine nicht funktionierende Absicherung für die Pauschalreise. Mit dem Versprechen der Bundesregierung zu haften, ist meines Erachtens eine Art Garantie damit verbunden, dass man eine künftige bessere Lösung herbeiführt."

Die Abstimmungen laufen hierzu aktuell. Angedacht ist vermutlich eine Art Fonds-Absicherung kombiniert mit Versicherungsleistung, weiß Benkö. Verabschiedet ist dazu aber noch nichts. Der Reiseexperte hofft hier in den nächsten Wochen auf Klarheit. Bei neuen Buchungen rät er Urlaubern aber, darauf zu achten, ab wann eine neue Absicherungsregelung gilt.

Pauschalreisen müssen immer abgesichert sein

Generell müssen Pauschalreisen immer abgesichert sein. Dass alle Kundengelder abgesichert werden müssen, ist von der EU vorgeschrieben, sagt Benkö. Die deutsche Regierung hatte hier bisher eine Sonderregelung mit der Absicherung über nur 110 Millionen. Dass diese Deckelung nicht funktioniert, hat die Thomas-Cook-Pleite gezeigt. Mit dem Beschluss hat sich die Bundesregierung aber nun zumindest auf die Seite der Urlauber gestellt, das war bisher nicht so klar, erklärt Benkö.

Mit welchen Reiseveranstaltern kann ich sicher buchen?

Mit welchen Veranstaltern wir unseren nächsten Urlaub buchen können, ohne Angst um unser Geld zu haben, weiß RTL-Reiseexperte Ralf Benkö. Welche Buchungs-Tipps er gibt, können Sie hier nachlesen.