Bundesregierung will Kinder von deutschen IS-Kämpfern zurückholen

26. November 2017 - 19:06 Uhr

Kindheit in Frieden

Die Terrormiliz 'Islamischer Staat' ist immer noch nicht besiegt. Zwar zerfällt das ehemalige Herrschaftsgebiet der Terrorkämpfer immer mehr, doch für die Menschen, die dort leben, ist Gewalt immer noch an der Tagesordnung. Die Bundesregierung will nun gezielt versuchen, die Kinder von deutschen IS-Kämpfern zurück nach Deutschland zu holen, damit sie hier eine normale Kindheit in Frieden erleben können. Doch das Projekt ist riskant.

Viele IS-Mütter bereuen die Entscheidung

Die Regierung geht davon aus, dass rund 940 Personen aus Deutschland in die IS-Gebiete ausgereist sind, um die Terrormiliz zu unterstützen. Darunter sind auch zahlreiche Familien. Manche IS-Anhänger haben ihre Kinder ins Kriegsgebiet verschleppt, andere haben dort erst Kinder bekommen. Manche bereuen den Schritt, sich und ihre Familien dem IS ausgeliefert zu haben. "Liebe Frau Merkel, bitte helfen sie uns. Ich möchte mit meinen Kindern zurück nach Deutschland", fleht beispielsweise Nadja Ramadan aus Landshut. "Ich möchte, dass meine Kinder ganz normal aufwachsen, wie alle Kinder."

Laut 'Süddeutscher Zeitung' leben allein mindestens sechs minderjährige Deutsche, meist Babys oder Kleinkinder, in irakischen Gefängnissen, weil ihre Mütter dort einsitzen. Gerade um diese Kinder will sich der deutsche Staat besonders bemühen und sie zurück in die alte Heimat ihrer Eltern holen, sofern die einverstanden sind. Diplomaten haben darum laut 'Süddeutscher Zeitung', NDR und WDR Kontakt mit der irakischen Regierung aufgenommen, um Ausreisegenehmigungen für die Kinder zu bekommen.

Wiedereingliederung von IS-Kindern wird kompliziert

Das Standbild eines undatierten Propaganda-Videos, welches von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am 19.05.2017 ins Internet gestellt wurde und über die Associated Press am 10.06.2017 zur Verfügung gestellt wurde,  zeigt IS Kämpfer in Deir ez-Zor
Die Terrormiliz IS verliert immer mehr an Einfluss, brüstet sich aber mit Propaganda-Videos wie diesen.
© dpa, Uncredited, BH CHR

Doch die IS-Kinder zurück nach Deutschland zu holen, ist nicht ganz ungefährlich. Denn viele von ihnen sind wahrscheinlich schwer traumatisiert. Je älter das Kind ist, desto länger war es der Terror-Propaganda der radikalen Islamisten ausgesetzt. Schon Kleinkinder werden gezielt abgestumpft, zu Kämpfern ausgebildet und zum Morden gezwungen.

Die Wiedereingliederung dieser Kinder wird eine Herausforderung, für die man viel Zeit und geschultes Fachpersonal braucht, um den Kindern zumindest ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen.