Bundesregierung lässt Türkei-Touristen hängen: "Liebe Urlauber, passt gut auf euch auf!"

22. Juli 2017 - 15:22 Uhr

Ende der Geduld

Engelsgleiche Geduld sagen die einen, Unterwürfigkeit gegenüber einem Autokraten nennen es die anderen. Was es auch war, das die Bundesregierung dazu bewogen hat, auf die Provokationen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beschwichtigend zu reagieren: Es ist vorbei. Berlin beginnt seine Politik gegenüber der Türkei zu ändern.

Deutsche Touristen bleiben mit Kosten und Risiko allein

Kommt dieser Wechsel zu spät? Und reichen die angekündigten Maßnahmen wirklich aus? Zu einer Reisewarnung konnte sich die Regierung jedenfalls nicht durchringen. Und so bleiben die Urlauber "mit dem Risiko und den Kosten für einen möglichen Reiserücktritt allein", stellt die Leiterin unseres Hauptstadtstudios, Jutta Bielig, fest. Auch die übrigen Ankündigungen sind eigentlich nur Drohungen und tun der Türkei nicht wirklich weh, meint Bielig. Sehen sie den ganzen Kommentar im Video.

Auf der Seite des Auswärtigen Amtes heißt es, dass privat oder geschäftlich Reisenden in der Türkei "zu erhöhter Vorsicht geraten" wird. Das AA empfiehlt, "sich auch bei kurzzeitigen Aufenthalten in die Listen für Deutsche im Ausland bei Konsulaten und der Botschaft einzutragen". Grund dafür sei, dass "in einigen Fällen Deutsche von freiheitsentziehenden Maßnahmen betroffen" gewesen seien, "deren Grund oder Dauer nicht nachvollziehbar war". Bedeutet für Urlauber im Klartext: Deutsche Reiseveranstalter holen ihre Türkei-Gäste nicht nach Deutschland zurück. Auch gebuchte Reisen in die Türkei können nicht storniert werden.

Was es konkret bedeutet, wenn zu "erhöhter Vorsicht" geraten wird, lesen Sie hier.

​Die Verhaftung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner, war der berühmte Tropfen zu viel, der das Fass zum Überlaufen brachte, zumindest das von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). Er unterbrach prompt seinen Urlaub und bestellte den türkischen Botschafter ein. Dann verschärfte das Auswärtige Amt die Reisehinweise und überprüft nun Wirtschaftshilfen für die Türkei