Einigung nach monatelangem Streit

Bundesregierung beschließt: Abschuss von Wölfen soll einfacher werden

22. Mai 2019 - 20:56 Uhr

Kompromiss im Umgang mit Wölfen

Die Rückkehr der Wölfe stellt Schäfer vor Probleme und macht vielen Menschen Angst - und sie ist ein großes Wahlkampf-Thema. Nach monatelangem Zoff hat sich die Bundesregierung jetzt auf einen leichteren Abschuss geeinigt. Der Gesetzentwurf wurde am Mittwoch vom Kabinett beschlossen.

Wolf bleibt streng geschützte Tierart

Der Entwurf sieht unter anderem vor, dass künftig nach Wolfsrissen auch dann Wölfe geschossen werden dürfen, wenn nicht klar ist, welches Tier genau zugebissen hat, und zwar so lange, bis es keine weiteren Risse gibt. Das kann auch bedeuten, dass ein ganzes Rudel geschossen wird, wie es in den Erläuterungen heißt. Allerdings muss jeder Abschuss zuvor von den Landesbehörden genehmigt werden. 

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) wollte außerdem erlauben, die streng geschützten Raubtiere auch vorbeugend zu schießen - und nicht nur als Reaktion nach Attacken auf Weidetiere. Das gibt der Gesetzentwurf von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) aber nicht her. Der Entwurf helfe, das Nebeneinander von Wolf und Weidetierhaltung in Deutschland zu ermöglichen, sagte Schulze. "Wir haben auf die Sorgen vor Ort reagiert: Da, wo es ein Problem gibt, lösen wir es. Und da wo es keines gibt, gilt der Artenschutz uneingeschränkt."

Tipps, wie man sich bei einer Begegnung mit einem Wolf verhalten sollte, gibt es im Video.

Kritik von Umweltschützern

"Ich bin froh, dass wir jetzt endlich eine Einigung haben, die Herdenschutz und Artenschutz in Einklang bringt», sagte Schulze mit Blick auf den Gesetzentwurf, über den sie und Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) lange gestritten hatten. "Hier ist ein vernünftiger Interessensausgleich gelungen." Es werde einfacher, Herden vor wiederholten Rissen zu schützen, aber der Wolf bleibe eine streng geschützte Tierart. Sowohl Umweltverbände als auch Jäger und der Bauernverband haben den Entwurf kritisiert. Die Zahl der Wolfsangriffe auf Nutztiere ist bundesweit stark gestiegen.