18. Mai 2019 - 0:18 Uhr

Bundesrat fordert härteres Gaffer-Gesetz

Bisher sind Unfallopfer nur dann vor bloßstellenden Fotos geschützt, wenn sie noch leben. Gaffer, die Tote filmen oder fotografieren, kommen bisher ungestraft davon. Das will der Bundesrat jetzt ändern. Die Länder forderten den Bundestag auf, die Strafen für Schaulustige an Unfallorten zu verschärfen.

"Kein Respekt vor Toten mehr"

Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf (CDU) warf der Bundespolitik vor, bisher hinter ihren selbstgesetzten Zielen zurückzubleiben. Es sei "schlichtweg abstoßend", wenn Gaffer Todesopfer fotografierten. "Diese erschreckende 'Trophäenjagd' kennt keine Pietät, keinen Respekt vor den Toten mehr."

Das Bundesjustizministerium kündigte die Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfs an. "Wir sind dabei, einen Gesetzentwurf zu erarbeiten, den wir zeitnah vorlegen werden", sagte eine Sprecherin. Eine entsprechende Vorgabe des Koalitionsvertrags solle damit umgesetzt werden.

Hilflosigkeit eines Menschen darf nicht zur Schau gestellt werden

Dieses Video soll Gaffer abschrecken.

Immer wieder werden Polizei, Feuerwehr und Ärzte gebremst, weil ihnen der Weg versperrt ist - von neugierigen Gaffern mit gezückten Handykameras. Bereits 2017 führte der Bundestag härtere Strafen ein: Seitdem gilt es als Straftat, bei Unglücksfällen vorsätzlich Einsatzkräfte zu behindern.

Sensationslustige, die Verletzte und verunglückte Autos fotografieren oder filmen, müssen mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren rechnen. Dabei ist egal, ob die Aufnahmen veröffentlicht werden oder nicht - es ist strafbar, die Hilflosigkeit eines Menschen zur Schau zu stellen.

Gesetze reichen nicht aus

Rettungsdienste sind allerdings nicht überzeugt, dass das geplante Gesetz viel verändern wird. Verbote und höhere Strafen seien wirkungslos, wenn die Taten nicht verfolgt werden könnten, sagte der Vorsitzende des Berufsverbands Rettungsdienst, Marco König. An Unfallorten gebe es einfach zu wenig Polizisten, die Gaffern die Handys abnehmen könnten. Außerdem würden Strafverfahren zu häufig eingestellt und gerichtlich nicht verfolgt.