Bundesrat hat entschieden: HIV-Tests sollen künftig frei verkauft werden

Zwei Teststreifen an HIV-Schnelltests. Foto: Britta Pedersen/Illustration
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21. September 2018 - 17:53 Uhr

Wichtige Regelung im Kampf gegen HIV und Aids

In anderen Ländern ist das längst Standard. Zukünftig sollen HIV-Selbsttests auch in Deutschland frei erhältlich sein, beispielsweise in Apotheken und Drogeriemärkten. Bisher dürfen nur Ärzte, Gesundheitseinrichtungen und Beratungsstellen die Schnelltests durchführen. Mit der neuen Regelung "können wir noch erfolgreicher sein im Kampf gegen HIV und Aids", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn am Freitag.

Deutsche Aids-Hilfe befürwortet Änderung

"Je früher Betroffene die Diagnose HIV kennen, desto früher können sie gut behandelt werden", kommentierte Spahn die Entscheidung des Bundesrates im Interview mit der "Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft". Auch bekämen Menschen bei Verdacht oder Unsicherheit schneller eine Antwort, ob sie infiziert seien oder nicht. Der Gesundheitsminister (CDU) hatte die Freigabe des Verkaufs maßgeblich beeinflusst.

Die Deutsche Aids-Hilfe bestärkt Spahn und die Änderung, da der freie Verkauf die Hemmschwelle für einen Test und somit auch eine Behandlung senke. Zumal nach Angaben des Robert-Koch-Instituts rund 12.7000 Menschen hierzulande infiziert sind und das nicht wissen. Viele Menschen scheuten schlichtweg einen Arztbesuch bei diesem sensiblen Thema.

Der Effekt dürfte so ähnlich sein wie bei der "Pille danach", einer Antibabypille, die nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen wird und ebenfalls in Apotheken erhältlich ist.

90.000 Menschen in Deutschland sind mit dem Virus infiziert

Weltweit leben rund 40 Millionen Menschen mit dem HI-Erreger im Körper. Laut einem aktuellen Bericht von UNICEF haben sich im vergangenen Jahr alleine 430.000 Kinder und Jugendliche infiziert. Heranwachsene Mädchen seien besonders gefährdet.