Steinmeier fleht die Bürger an

Bundespräsident mit flammendem Appell: "Bitte gehen Sie ins Home Office"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fleht Arbeitnehmer wegen Corona an ,ins Home Office zu gehen.
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16. Januar 2021 - 17:36 Uhr

Wer kann, soll von zu Hause arbeiten

In einem gemeinsamen Aufruf mit DGB-Chef Reiner Hoffmann und Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert der Bundespräsident Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eindringlich dazu auf, aus dem Home Office zu arbeiten. Angesichts der hohen Infektions- und Todeszahlen müsse die Präsenz in Büros und Unternehmen, überall da wo es irgendwie gehe, deutlich zurückgefahren werden. Vor allem die Arbeitgeber müssten jetzt Verantwortung übernehmen.

Steinmeier: "Leider erkranken viel zu viele Menschen an Corona"

Merkel, Söder und Arbeitsminister Heil: Sie alle mahnen und appellieren seit Wochen an Unternehmen und Betriebe, verstärkt auf Home Office Lösungen zu setzen. Überall da, wo irgendwie möglich, sollen Arbeitnehmer von zu Hause aus arbeiten und auf Präsenz am Arbeitsplatz verzichten. Doch so richtig wurde das Flehen und Betteln aus der Politik nicht erhört. Noch immer machen sich morgens Tausende Arbeitnehmer auf den Weg zur Arbeit, sitzen teilweise ohne Maske und Hygieneabstand im Betrieb zusammen und fahren nachmittags mit vollen Bahnen wieder nach Hause.

Im Kampf für mehr Home Office schaltet sich jetzt auch Bundespräsident Steinmeier ein. Eindringlich, fast schon emotional, mahnt er die Bürger in einer Ansprache: "Wir müssen auch die Kontakte am Arbeitsplatz reduzieren. Weniger ist mehr- gerade in diesen Tagen." Die Arbeitgeber ruft er auf: "Ermöglichen Sie das Arbeiten von zu Hause aus! Es ist nötiger denn je! Es ist nicht immer ideal, aber es schützt vor Ansteckung."

Home Office sei eine Herausforderung, gerade wenn man zusätzlich noch Kinder betreuen muss. Doch jede Fahrt zur Arbeit, die vermieden werden kann, helfe das Virus einzudämmen. "Jede Reduzierung von Kontakten schützt uns Alle" so das deutsche Staatsoberhaupt. "Wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung für die gesamte Gesellschaft", schwört Steinmeier die Bevölkerung ein.

Gemeinsam im Kampf gegen das Virus

Den Worten des Bundespräsidenten pflichten DGB-Chef Reiner Hoffmann und Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger bei. Auch sie fordern von Beschäftigten, auf den Weg ins Büro oder in den Betrieb zu verzichten und stattdessen die Möglichkeiten des Home Office vollends in Anspruch zu nehmen. Steinmeier, Hoffmann und Dulger demonstrieren Einigkeit im Kampf gegen das Virus und wiederholen mantraartig: Bitte reduzieren Sie die Kontakte.

Der DGB-Chef und der Arbeitgeberpräsident betonten, wie wichtig es jetzt sei, solidarisch zu sein: "Wir werden die Krise meistern, wenn wir zusammen halten", so Rainer Hoffmann. Dazu müssten jetzt alle an einem Strang ziehen, um die Infektionszahlen zu drücken und noch mehr Corona-Tote zu verhindern.

Auch Regierungssprecher Steffen Seibert bekräftigte später auf der Bundespressekonferenz: Jeder Betrieb, jedes Unternehmen, jedes Amt solle prüfen, ob nicht noch deutlich mehr auf Arbeit abseits der Büros umgestiegen werden könne. Angesichts der Pandemie-Lage sei das dringend notwendig.

Grüne: "Bitten allein reicht nicht mehr"

Seit Wochen gibt es eine heftige Diskussion über das Arbeiten von zu Hause. Die Politik nimmt Firmen und Betriebe in die Pflicht. So sagte Bundesarbeitsminister Heil vor wenigen Tagen: "Willkürlich Homeoffice zu verweigern, wäre jetzt unverantwortlich". Deswegen müsse jetzt alles dafür getan werden, dass Leute von zu Hause arbeiten können. Sein Parteikollege und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, geht noch einen Schritt weiter: "Wir sollten das Homeoffice verpflichtend machen - dort, wo es geht", fordert er in den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Im ersten Lockdown hatten wir ein Viertel der Arbeitsplätze im Homeoffice, jetzt ist es nur noch ein Siebtel", so Lauterbach.

Auch die Grünen fordern einen rechtlichen Rahmen für das Home Office. Es bräuchte eine Rechtsverordnung "die die Arbeitgeber verpflichtet, ihre Beschäftigten ins Homeoffice zu schicken, wenn dies die Art der Arbeit zulässt. Bitten alleine reicht nicht mehr aus", so die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Beate Müller-Gemmeke.

"Home Office-Zwang wäre absurd"

 Karl Lauterbach von der SPD fordert eine Pflicht für Home Office.
Fordert eine Home-Office-Pflicht: Epidemiologe und Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach von der SPD.
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Kritik an einer Pflicht zum Arbeiten von zu Hause, wie sie auch Bayerns Ministerpräsident Söder vor wenigen Tagen ins Spiel gebracht hat, kommt us der Wirtschaft. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau lehnt einen Zwang zum Home Office strikt ab: "Auch in Corona-Zeiten müssen unsere Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen und die Produktion aufrechterhalten." Überall da wo die Möglichkeit auf mobiles Arbeiten bestehe, werden Beschäftigte ins Home Office geschickt, so VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. Eine gesetzliche Home Office- Pflicht mit Bußgeldern sei aus seiner Sicht "absurd".

Nach Einschätzung von Oliver Stettes vom Institut der deutschen Wirtschaft wäre verpflichtendes Homeoffice ein gravierender Eingriff in die betrieblichen Bestimmungen. Außerdem sei es nicht überall möglich oder gar sinnvoll, dauerhaft von zu Hause aus zu arbeiten, so der Wirtschaftswissenschaftler. So müsse teilweise auf das Homeoffice verzichtet werden, weil zum Beispiel die IT nicht laufe, Datensicherheit nicht gewährleistet werden könne oder die Arbeitsorganisation Anwesenheit erfordere.

Tipps für das Home Office

Auch wenn viele Menschen noch immer im Büro arbeiten, wächst die Zahl derer, die täglich ihrer Arbeit aus den eigenen vier Wänden nachkommen. Bei vielen Unternehmen hat die Umstellung schon erfolgreich funktioniert. Aber besonders am Anfang tun sich viele Leute schwer, die neuen Arbeitsbedingungen anzunehmen. Doch diese Tipps und Tools, helfen Ihnen dabei, sich an die Heimarbeit zu gewöhnen.