Bundespräsident bedauert, die Fragen bleiben

Bundespräsident Wulff: Alles geklärt – oder doch nicht?
Bundespräsident Wulff: Alles geklärt – oder doch nicht?
© REUTERS, FABRIZIO BENSCH

10. Februar 2016 - 11:51 Uhr

Hat Wulff ein Darlehen zu Schnäppchen-Konditionen erhalten?

"Auch wenn Sie mir eine Nachricht hinterlassen, werde ich leider nicht zurückrufen. Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr" – so lautet die Ansage von Christian Wulffs entlassenem Sprecher Olaf Glaeseker auf der Mobilbox seines Handys, einen Tag nachdem dieser in die Wüste geschickt worden ist. Auch wenn der Grund für Glaesekers Abgang unklar bleibt, scheinen er und Wulff sich in Hinblick auf Nachfragen einig zu sein – sie sind unerwünscht. Doch sind mit der Erklärung des Staatsoberhaupts und der Entlassung des Pressesprechers alle Fragen um die Kreditaffäre vom Tisch? War alles nur ein Problem der Öffentlichkeitsarbeit um den ersten Mann im Staat?

In seiner kurzfristig anberaumten Erklärung bedauerte Wulff zwar sein Verhalten in der Affäre um den Kredit für sein Haus. Mittlerweile aber habe er alle wesentlichen Fakten offengelegt, behauptete er und rauschte nach vier Minuten wieder aus dem Saal im Schloss Bellevue. Für Nachfragen der versammelten Journalisten der Hauptstadt sah er offenbar keinen Bedarf. Dabei hat sich Wulff in der Sache wieder nicht im Detail geäußert und Einzelheiten zu den umstrittenen Krediten ausgespart. Doch zumindest werden immer mehr Details bekannt.

Wulff lieh sich 2008 zur Finanzierung seines Hauses in Großburgwedel bei Hannover zunächst 500.000 von der Unternehmersgattin Edith Geerkens. Dem niedersächsischen Landtag teilte er 2010 mit, dass er keine Geschäftsbeziehungen zu deren Ehemann Egon Geerkens unterhalte. Erst kürzlich räumte der Anwalt des Bundespräsidenten ein, dass die Sache "gemeinsam besprochen worden" sei und der mit ihm befreundete Egon Geerkens bei der Immobiliensuche geholfen hätte, berichtete die 'Welt'.

Wulff-Sprecher Glaeseker ließ sich offenbar gern einladen

Den für ihn ohnehin schon bequemen Privatkredit zahlte Wulff Anfang 2010 mit den Mitteln eines neuen Kredits der württembergischen BW-Bank in Stuttgart zurück. Diesen bekam er laut 'Spiegel' aber viel günstiger als marktüblich. Demnach sollen die Zinsen des Kredits der BW-Bank halb so hoch wie bei normalen Kunden gewesen sein. Statt eines gewöhnlichen Immobilienkredits soll Wulff ein komplexes Finanzkonstrukt bekommen haben, das sonst nur bei Unternehmen üblich ist. Die Zinsen bei dem von ihm in Anspruch genommenen sogenannten Geldmarktkredit sind variabel und richteten sich nach dem Zinssatz, zu dem die Banken gegenseitig am Markt Geld leihen.

In Zahlen: Bei Wulff soll die Zinshöhe zwischen 0,9 und 2,1 Prozent gelegen haben. Das wäre zum Teil nicht einmal die Hälfte von dem, was jeder x-beliebige Hannoveraner für ein solches Darlehen an Zinsen hätte berappen müssen. Bei der BW-Bank hieß es allerdings, derartige Geldmarktkredite seien für "gehobene Privatkunden" nicht ungewöhnlich, berichtet der 'Spiegel'. Mittlerweile sei der Kredit laut Auskunft der BW-Bank allerdings in einen langfristigen Baukredit mit üblichen Konditionen umgewandelt worden. Wulff fuhr mit seiner ursprünglichen Finanzierung zwar günstiger als mit einem normalen Kredit, trug aber auch ein Risiko: Wäre das Zinsniveau am Markt gestiegen, wäre dies auch bei den variablen Zinsen der Fall gewesen. Wulff allerdings hatte Glück, die Zinsen am Geldmarkt sind schon länger niedrig.

Doch nicht nur die Frage, wie Wulff an den Kredit der BW-Bank kam, bedarf einer Klärung. Der Bundespräsident, der zum Zeitpunkt des Darlehens noch Ministerpräsident von Niedersachsen war, hat noch nicht offengelegt, ob bei der Vermittlung des Schnäppchendarlehens sein alter Freund und Kollege Günther Oettinger (CDU) eine Rolle gespielt hat. Oettinger war zu dieser Zeit Ministerpräsident von Baden-Württemberg, in dem die BW-Bank ihren Sitz hat. "Diese Spekulation ist gegenstandslos", sagte der heutige EU-Energiekommissar der Zeitung 'Schwarzwälder Bote'. Er habe von dem Kontakt zwischen der BW-Bank und Wulff "nichts gewusst".

Nach einem Bericht von 'stern-online' ist Olaf Glaeseker offenkundig über kostenlose Urlaubseinladungen des Partymanagers Manfred Schmidt gestürzt. Glaeseker habe in seiner Zeit als Regierungssprecher in Niedersachsen mehrfach mit seiner Frau Ferien in Immobilien des Unternehmers in Spanien und Südfrankreich gemacht. In dieser Zeit sei Glaeseker auch mit Veranstaltungen Schmidts befasst gewesen. Zuletzt im Dezember 2009 seien mit einem von dem Kölner PR-Unternehmer organisierten Event die guten Beziehungen zwischen Niedersachsen und Baden-Württemberg gefeiert worden.