Bundespolizei warnt: Flüchtlinge handeln mit deutschen Papieren

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17. April 2018 - 19:00 Uhr

Unter Flüchtlingen floriert der Online-Handel mit Identitäten

Einige Flüchtlinge verlassen Deutschland und Europa wieder, sie kehren in ihre Heimatländer zurück. Ein Teil von ihnen bietet laut Bundespolizei jedoch Ausweispapiere im Internet zum Verkauf an. Der 'Spiegel' berichtet unter Berufung auf das Bundesinnenministerium über einen florierenden Handel mit deutschen und europäischen Dokumenten.

Deutscher Ausweis für unter 1.200 Euro

Ein Musterexemplar zeigt am 23.02.2017 in Berlin den neuen Reisepass für Deutschland bei der Vorstellung im Innenministerium in der Ausführung "Reiseausweis nach dem übereinkommen vom 28.Juli 1951" für Flüchtlinge (Sog Konventieonspass").
Besonders der Reiseausweis für Flüchtlinge ist vom illegalen Weiterverkauf betroffen.
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Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 554 Fälle festgestellt, bei denen echte Ausweispapiere zur unerlaubten Einreise verwendet wurden. Davon stammten 100 Dokumente aus Deutschland. Diese Zahlen gehen aus einer Analyse der Bundespolizei hervor. Die Ausweispapiere sollen zum Teil gegen Geld weitergegeben worden sein. "Insbesondere deutsche Reisedokumente werden in den sozialen Medien zum Verkauf angeboten", heißt es in dem Bericht der Bundespolizei. Asylberechtigte Flüchtlinge erhalten in Deutschland einen eigenen Reiseausweis sowie eine Aufenthaltsbescheinigung.

Ein solcher Ausweis soll in einer arabischen Facebook-Gruppe samt "Gesundheitskarte" der AOK für 1.400 US-Dollar (rund 1.130 Euro) annonciert worden sein. Manche Anbieter würden gleichzeitig noch ein Passfoto posten, um eine Ähnlichkeit mit dem Käufer sicherzustellen. Eine Übergabe findet häufig in Griechenland oder der Türkei statt.

Terrorverdächtige nutzen den Dokumenten-Handel kaum

Besonders einige syrische und irakische Flüchtlinge sollen ihre Papiere zum Verkauf anbieten. Viele sollen über die hohen Hürden beim Familiennachzug frustriert sein. Auch die mangelnden Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten in Deutschland sollen eine Rolle spielen. Der Handel mit Dokumenten wurde laut 'Spiegel' nur in sehr wenigen Fällen von Terrorverdächtigen genutzt.

Dennoch warnte CDU-Innenpolitiker Armin Schuster davor, die Analyse der Bundespolizei zu vernachlässigen. "Hier geht es letztlich um Schleusung oder Beihilfe zur illegalen Einreise durch den Ausweisverkäufer", betonte er. Außerdem könnten Sozialleistungen missbraucht werden. Manche Ausweisverkäufer würden sich nach dem angeblichen Verlust ihrer Dokumente neue Papiere ausstellen lassen.