Grünes Licht für Bundesliga

Restart-Reaktionen: "Gutes Zeichen für den Sport"

06. Mai 2020 - 22:34 Uhr

So fallen die Reaktionen auf die Restart-Entscheidung aus

Es ist von oberster Stelle abgesegnet. Angela Merkel und die Länderchefs haben am Mittwoch eine Wiederaufnahme der Bundesliga-Saison ermöglicht. Wenige Stunden später legte sich die DFL auf den 15. Mai als neuen Starttermin fest. Nicht nur Entscheidungsträger aus dem Fußball sind froh über das Grüne Licht aus Berlin. Kritik gibt es hingegen von Seiten der Grünen und von Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD). Die Reaktionen von Oliver Mintzlaff (RB Leipzig), Fredi Bobic (Eintracht Frankfurt) und Alexander Wehrle (1. FC Köln) sehen Sie im Video.

Löw froh, dass wieder Wettkampfmodus herrscht

Fritz Keller (DFB-Präsident): "Die Entscheidung ist ein Vertrauensbeweis der Gesundheitsbehörden und der Politik, für den wir dankbar sind. Es ist ein erster Schritt, Sport wieder sichtbar stattfinden zu lassen, der Hoffnung darauf macht, dass der Fußball sukzessive wieder in den Alltag der Menschen zurückkehrt, wenngleich zunächst via Fernsehübertragungen in die Wohnzimmer.

Wir gehen davon aus, dass in diese Öffnung neben der Bundesliga und 2. Bundesliga auch unter dem Aspekt der Gleichbehandlung von Berufsfußballerinnen und -fußballern ebenso die unter dem Dach des DFB organisierten Profispielklassen der 3. Liga und der Frauen-Bundesliga sowie der DFB-Pokalwettbewerb grundsätzlich eingeschlossen sind, zumal das gemeinsam von DFB und DFL erarbeitete Hygienekonzept selbstverständlich auch dort vollumfänglich umgesetzt wird.

Ein gutes Zeichen für den Breitensport ist auch die schrittweise geplante Öffnung der Freiluftsportanlagen, die unseren Amateurvereinen die Möglichkeit gibt, den Trainingsbetrieb unter Auflagen und in Kleingruppen nach und nach wieder aufzunehmen."

Joachim Löw (Bundestrainer): "Als Bundestrainer freue ich mich natürlich, wenn unsere Nationalspieler wieder in einen Wettkampfmodus kommen. Das ist ein wichtiger Schritt, denn auch unser Blick ist nach vorn gerichtet auf die Planungen der Nationalmannschaft nach der Corona-Krise."

Oliver Bierhoff (DFB-Direktor): "Auch aus Gesprächen mit unseren Nationalspielern, die im Ausland spielen, weiß ich, mit wie viel Aufmerksamkeit und Anerkennung dort diese Entscheidung verfolgt wird. Der deutsche Fußball und die Bundesliga übernehmen hier eine Vorreiterrolle, aus der sich auch mit Blick auf die Ausrichtung möglicher Länderspiele, die wir uns alle in der zweiten Jahreshälfte wünschen, wichtige Impulse ergeben können."

ARCHIV - 29.01.2020, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Der Vorstandsvorsitzende vom FC Bayern München Karl-Heinz Rummenigge beantwortet auf dem SpoBis Kongress Fragen des Moderators Klewenhagen. (zu dpa «Bayern-Boss Rummenigge: Mit Kritikern am Konzep
Karl-Heinz Rummenigge bedankte sich bei der Politik
© dpa, Roland Weihrauch, rwe nic

"Wir freuen uns darauf"

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender Bayern München): "Ich darf mich bei der Politik dafür bedanken, dass sie mit ihrer heutigen Entscheidung die Möglichkeit geschaffen hat, die Bundesligasaison zu Ende zu spielen. Wir freuen uns nun darauf, idealerweise schon ab Mitte Mai den Spielbetrieb wieder aufnehmen zu können. Damit ist gewährleistet, dass die sportlichen Entscheidungen auf dem Platz und nicht am grünen Tisch fallen. Ich möchte mich ausdrücklich bei der DFL und bei der Task Force Medizin für das hervorragende organisatorische und medizinische Konzept bedanken. Ich appelliere an alle Beteiligten, die Vorgaben dieser Konzepte, die die Grundlage zur Wiederaufnahme des Spielbetriebes sind, vorbildlich und extrem diszipliniert zu befolgen."

Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): "Wir werden – im Wissen darum, dass es keine Garantien gibt – alles versuchen, um eine möglichst hohe Sicherheit zu gewährleisten, dass es zu keinen neuen Infektionen bei Spielern und deren Familien kommt. Vor leeren Rängen spielen zu müssen, ist gerade für einen Verein wie den BVB, der aus der Leidenschaft seiner Fans im Stadion viel Kraft zieht, eine enorme Herausforderung. Die Bundesliga so lange ruhen zu lassen, bis wieder Zuschauer in die Stadien dürfen, wäre für die Vereine wirtschaftlich allerdings nicht durchzuhalten gewesen."

Frank Bohmann (Geschäftsführer HBL): "Ich finde es gut, die Entscheidung begrüße ich. Grundsätzlich ist es ein sehr gutes Zeichen, und es freut mich für die DFL. Es ist vielleicht auch ein Zeichen für den gesamten Sport. Die DFL hat das sehr professionell vorbereitet, und ich glaube, das ist verantwortbar. Aber man muss den Prozess verfolgen. Blöd wäre, wenn es dann tatsächlich im operativen Geschäft zu Fehlentwicklungen kommen würde."

ARCHIV - 28.11.2019, Berlin: Karl Lauterbach (SPD) spricht bei der Haushalts-Beratung des Etats vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz im Deutschen Bundestag. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat nach dem Bekanntwerden von d
Gesundheitsexperte Lauterbach kritisierte die Entscheidung der Politik
© dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj axs dul

Scharfe Kritik von SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach

Bob Hanning (Geschäftsführer Füchse Berlin): "Es ist eine zwingend richtige Entscheidung. Ich halte das für richtig und gut. Alles andere wäre nicht gut gewesen. Das ist ein gutes Zeichen für den Sport."

Thomas Hitzlsperger (Vorstandsvorsitzender VfB Stuttgart): "Wir haben immer betont, welche Bedeutung die Fortsetzung der Saison für den Fußball hat. Dementsprechend froh sind wir über die getroffene Entscheidung. Gleichzeitig wissen wir, welche Verantwortung mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs einhergeht. Dieser Verantwortung wollen und werden wir gerecht werden und weiterhin sehr genau auf die Einhaltung der vorgegebenen Richtlinien achten. Im Rahmen der anstehenden DFL-Versammlung kann nun die Detailplanung für die kommenden Tage und Wochen erfolgen."

Monika Lazar (Sprecherin für Sportpolitik) und Erhard Grundl (Mitglied im Sportausschuss/beide B90/Grüne): "Der Wunsch nach einer Rückkehr zur Normalität ist verständlich. Die Entscheidung, Geisterspiele der Bundesliga noch im Mai wieder zuzulassen, sehen wir jedoch weiterhin kritisch. Zum einen ist nicht nachvollziehbar, wieso dem Profifußball eine "Extra-Stadionwurst" zugesprochen wird: Während besonders exponierte Berufsgruppen wie etwa Pflegerinnen und Pfleger in Pflegeheimen immer noch nicht ausreichend auf COVID-19 getestet werden, wird genau dies nun bei Profifußballern praktiziert."

SPD-Politiker und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte die Entscheidung ein "fatales Signal". "Der Beschluss zur Bundesliga ist enttäuschend und falsch, ich bedauere ihn sehr", sagte der 57-Jährige dem Nachrichtenportal "t-online.de".

Anja Stahman (Vorsitzende der Sportministerkonferenz): "Ich halte das Unterfangen, Geisterspiele abzuhalten, immer noch für hoch risikobehaftet. Das ist gewissermaßen der Tanz auf dem Seil, weil wir immer noch eine Infektionslage in Deutschland haben, von der wir nicht wissen, wie weit sich das Virus verbreitet hat." 

Kommentar: "Profis müssen verantwortungsvoll mit der Chance umgehen, wieder spielen zu dürfen"