Nach Türkei-Treffer

Bundesliga-Profi verweigert Militärgruß-Jubel - Streit mit Mitspieler

Frankreich - Türkei
© dpa, Thibault Camus, PK pat

15. Oktober 2019 - 16:54 Uhr

Türkische Nationalspieler haben beim EM-Quali-Spiel gegen Frankreich erneut einen Militärgruß-Jubel gezeigt. Ausnahme: Der Düsseldorfer Bundesliga-Profi Kaan Ayhan verweigerte nach seinem Treffer den Salut-Jubel – und geriet daraufhin offenbar mit einem Mitspieler in einen heftigen Streit.

Mitspieler fordert zu Salut-Jubel auf

Als das türkische Team in der 81. Minute durch Ayhan den 1:1-Ausgleichstreffer erzielte, jubelten wie schon beim Sieg gegen Albanien viele Spieler mit der flachen Hand an der Stirn. Eine politische Geste für den Militäreinsatz des türkischen Militärs gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien, der international scharf kritisiert wird. Ayhan bejubelte sein Tor, salutierte aber nicht.

Daraufhin gab es einen kurzen Streit zwischen Ayhan und Teamkollege Merih Demiral von Juventus Turin. Demiral soll den Bundesliga-Spieler aufgefordert haben, ebenfalls per Militärgruß zu feiern. Fotos aus dem Stadion zeigen, dass Ayhan allerdings abdrehte und zurück aufs Feld lief. Auch sein Fortuna-Teamkollege Kenan Karaman soll diesmal keinen Militärgruß-Jubel gezeigt haben.

Soccer Football - Euro 2020 Qualifier - Group H - France v Turkey - Stade De France, Saint-Denis, France - October 14, 2019  Turkey players salute after Kaan Ayhan celebrates scoring their first goal  REUTERS/Benoit Tessier     TPX IMAGES OF THE DAY
Die türkischen Spieler zeigten erneut den Salut-Jubel
© REUTERS, Benoit Tessier, LA

UEFA ermittelt

Am vergangenen Freitag hatten türkische Spieler nach dem 1:0 gegen Albanien erstmals den Salut-Jubel gezeigt – auf dem Rasen und in der Kabine. Auch Ayhan und Karaman beteiligten sich. Anschließend hatte Düsseldorf-Sportvorstand Lutz Pfannenstiel mit beiden Spielern gesprochen. Beide Profis betonten, dass es sich um ein Solidaritätsbekunden für Soldaten und ihre Angehörigen handelte. "Wir sind davon überzeugt, dass ihnen nichts ferner lag, als ein politisches Statement abzugeben", erklärte Pfannenstiel.

Die UEFA hatte bereits am Montag angekündigt, ein Verfahren gegen die Türkei einzuleiten. Wann mögliche Sanktionen verhängt werden, ist noch unklar. Der europäische Verband verbietet jegliche politische Zeichen.

Alles nur Ablenkung?

Alles übertrieben, meint der türkische Sportminister. Er wertet die Aufregung um den Militärgruß als Ablenkung vom Erfolg des Teams. "Diejenigen, die den Misserfolg auf dem Platz auf andere Weise überschatten wollen, sollten davon absehen. Die Ergebnisse liegen auf der Hand. Wir führen", sagte Mehmet Kasapoglu nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.