Torfestival in Frankfurt - BVB siegt beim VfB

Bundesliga: Bayern strauchelt - Leipzig macht Boden gut

© SvenSimon / POOL, Frank Hoermann / SVEN SIMON

10. April 2021 - 20:23 Uhr

RB wahrt Mini-Chance

Der FC Bayern ist im Titelkampf ins Straucheln geraten. Am 28. Spieltag kam die Elf von Trainer Hansi Flick gegen Union Berlin nicht über ein 1:1 hinaus. Verfolger RB Leipzig zeigte sich von der Niederlage im Spitzenspiel gegen die Münchner erholt, siegte leicht und locker mit 4:1 bei Werder Bremen. Im Spitzenspiel rang Eintracht Frankfurt den VfL Wolfsburg mit 4:3 nieder. Borussia M'gladbach holte in Unterzahl einen Punkt bei Hertha BSC (2:2). Im Abendspiel siegte Borussia Dortmund mit 3:2 beim VfB Stuttgart.

FC Bayern - Union Berlin 1:1 (0:0)

Tore: 1:0 Musiala (68.), 1:1 Ingvartsen (85.)

Ein Sieg für Union Berlin in der Allianz Arena - wenn nicht heute, wann dann? So schien das Motto vor Anpfiff der Partie, denn: Die Bayern gingen mit einer Startelf ins Spiel, die es so vielleicht nie wieder in der Bundesliga geben wird. Gleich neun Akteure fehlten den Münchnern. Hansi Flick gab hinten links Josip Stanisic sein Liga-Debüt, Javi Martínez rückte als Innenverteidiger ins Team, der 20-jährige Tiago Dantas rutschte ins Mittelfeld und vorne sollte Jamal Musiala neben Eric Maxim Choupo-Moting für Torgefahr sorgen. Wenig überraschend ließ die klassische Münchner Dominanz auch nach 20 Minuten deshalb auf sich warten. Union spielte mutig, ging früh ins Pressing.

Den ersten Schreckmoment gab es aus Bayern-Sicht nach knapp einer halben Stunde – allerdings nicht durch eine Berliner Chance, sondern weil Kingsley Coman angeschlagen den Weg vom Platz suchte. Nach einer kurzen Behandlungspause biss der Franzose die Zähne zusammen und machte weiter. Tore gab es dafür in Hälfte eins keine.

In der Pause blieb Coman dann doch in der Kabine – wahrscheinlich auch, um keine schwerere Verletzung zu riskieren. Für ihn übernahm Leroy Sané, der in der 55. Minute seine erste Torchance hatte. Aus spitzem Winkel von rechts verpasste er das 1:0 jedoch deutlich. Auf der anderen Seite bekam daraufhin Max Kruse für Union seine erste Möglichkeit der Partie, Manuel Neuer musste jedoch nicht eingreifen – auch sein Ball ging am Kasten vorbei.
Bayern wechselte in der 58. Minute erneut, Choupo-Moting bekam seine Schonpause vor dem so wichtigen Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Paris am Dienstagabend. David Alaba ging dafür ins Mittelfeld, Thomas Müller übernahm die Stürmerrolle. Und schon acht Minuten später folgte der nächste Bayernwechsel: Jérôme Boateng bekam ebenfalls eine Pause, Dantas folgte ihm auf die Bank. Flickt brachte stattdessen Benjamin Pavard und Youngster Christopher Scott.

Pavard hatte dann direkt seine Füße mit im Spiel, als in der 68. Minute das 1:0 für die Bayern fiel: Der Franzose brachte einen entschärften Freistoß von Joshua Kimmich wieder in den Union-Strafraum, der ebenfalls eingewechselte Alaba verlängerte per Kopf und Shooting-Star Musiala verwandelte aus dem Zentrum zur Führung. Die Erleichterung auf dem Platz, aber auch bei den Bossen auf der Tribüne war riesig. Kurz darauf erwischte es Musiala aber in einem Zweikampf am Knie, Flick ging auch hier kein Risiko ein und nahm den Torschützen raus. Für die abschließende Viertelstunde kam der 18-jährige Tanguy Nianzou. Bayerns Elf wurde von Minute zu Minute jünger. Und kurz vor dem Ende kam sie ins Straucheln. Nach einem Berliner Einwurf von Cedric Teuchert auf Strafraumhöhe suchte Union fix den Weg vors Tor. Marcus Ingvartsen setzte sich mit Instinkt und etwas Glück durch – und ließ den Ball irgendwie über die Torlinie kugeln. Der herausgekommene Neuer war geschlagen, auch die herangeeilten Martínez und Alaba konnten das 1:1 in der 86. nicht verhindern. Ein kleiner Dämpfer im Meisterkampf.

Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg 4:3 (2:1)

Tore: 0:1 Baku (6.), 1:1 Kamada (8.), 2:1 Jovic (27.), 2:2 Weghorst (46.), 3:2 Silva (54.), 4:2 Durm (61.), 4:3 Maximilian Philipp (85.)

Nicht lang schnacken…was war denn hier los?! Vom Anpfiff weg ging in Frankfurt die Post ab. Im Duell der CL-Aspiranten erwischten die Gäste den besseren Start. Wout Weghorst mit einer passgenauen Ablage auf Ridle Baku, der die Kugel mit dem linken Schlappen ins untere Eck zirkelt – SGE-Keeper Kevin Trapp ohne Chance. Und die Eintracht? Antwortete prompt. Erik Durm setzte im Rückraum Daichi Kamada in Szene – das 1:1. Es ging weiter hin und her. Keine Verschnaufpausen hüben wie drüben. Minute 20: Es brannte im Frankfurter Strafraum, Baku verfehlte das Gehäuse nur um Zentimeter. Und das rächte sich. Andre Silva im Fallen auf Sturmpartner Luka Jovic – ein Strahl zur Führung.

Weniger Tempo nach der Pause? Pustekuchen! Keine 60 Sekunden waren gespielt und es klingelte im Frankfurter Gebälk – Weghorst mit seinem 18. Saisontor. Und weil es so schön war… ließ sich auf der anderen Seite Eintrachts Goalgetter Silva nicht lange bitten – aus 134 Metern zum Glück. Treffer Nummer 23. Wow. Und jetzt rollte der SGE-Express. Wieder Silva – dieses Mal als Vorbereiter – Durm mit dem 4:2. Bei vier Schüssen aufs VfL-Tor. Das nennt man wohl Effektivität. Und die 'Wölfe'? Blieben dran. Philipp immerhin noch mit dem Anschlusstreffer.

Werder Bremen - RB Leipzig 1:4 (0:3)

Tore: 0:1 Olmo (23.), 0:2 Sörloth (32.), 0:3 Orban (41.), 1:3 Rashica (61./HE), 1:4 Sabitzer (63.)

RB Leipzig übernahm von Beginn an die Kontrolle über die Partie, suchte im Weserstadion viel Ballbesitz. Werder, das nach dem Einzug ins Pokalhalbfinale am Mittwoch gegen Jahn Regensburg (1:0) wieder auf den zuletzt angeschlagenen Innenverteidiger Ömer Toprak in der Startelf setzten konnte, war vor allem bemüht, die Gäste möglichst weit vom eigenen Kasten wegzuhalten.

Ausgerechnet kurz nach Werders erstem Torabschluss der Partie (20.) durch Eren Dinkci klingelte es dann auf der anderen Seite: Leipzig zauberte sich durchs Zentrum. Kevin Kampl leitete den Treffer ein, Marcel Sabitzer setzte Dani Olmo in Szene, der per Hacke nochmals den Doppelpass mit Kampl suchte. Am Ende der Traumkombination zog dann der Spanier von halblinks ab und knallte den Ball ins rechte Eck zum 1:0 (23.).

Zu passiv agierten die Bremer dann vor dem 0:2: Dieses Mal kam RB über den rechten Flügel, Tyler Adams steckte einen feinen Pass auf Christopher Nkunku durch, dem von der Grundlinie aus eine ideale Flanke auf Alexander Sörloth gelang. Freistehend nickte der Norweger ein – und unterstrich mit dem zweiten Treffer der Gäste, wer die spielbestimmende Mannschaft war. In der 41. war es dann wieder Sörloth. Nach Fehlpass der Bremer landete der Ball bei Willi Orban, der den Torschützen per Flanke bediente. Der Stürmer ließ sich nicht lange bitten und machte auch das 3:0.

In der 59. Minute kam dann erstmals etwas Bremen-Hoffnung auf. Sabitzer klärte eine Werder-Hereingabe von links auf Davie Selke, sein Schuss kam nach einem Aufsetzer in Richtung Kampl, der dem Ball mit der Hand eine neue Richtung verpasste – Elfmeter! Flankengeber Milot Rashica trat vom Punkt an und ließ Peter Gulacsi keine Chance. Das 1:3. Doch die Leipziger Reaktion darauf folgte prompt. Sabitzer kam direkt vor dem Werder-Tor zum Abschluss, seine vier Gegenspieler wahrten den Corona-Abstand und schauten nur zu, wie Leipzig den vierten Treffer feierte (63.). Danach schien der neu aufgekommene Bremer Mut schnell wieder verflogen, die Partie trudelte aus. Und Leipzig durfte sich freuen, zwei Punkte auf den FC Bayern gut gemacht zu haben.

Hertha BSC - Borussia M'gladbach 2:2 (1:2)

Tore: 1:0 Ascacibar (23.), 1:1 Plea (27.), 1:2 Stindl (38./HE), 2:2 Cordoba (49.)

Rot: Sommer (BMG/13./Notbremse)

Nach einem mutigen Start in die Partie für Gastgeber Hertha gab es auf Seiten der Gladbacher schnell eine bittere Pille zu schlucken: Weil Keeper Yann Sommer beim Abfangen eines langen Passes anstatt des Balls Jhon Córdoba erwischte, flog er wegen einer Notbremse vom Platz. Berlin nutzt die Überzahl sofort für sich aus und ging mit einem wunderschönen Weitschuss von Santiago Ascasibar in Führung. Sommer wäre hier genauso aufgeschmissen gewesen wie Ersatz-Torwart Tobias Sippel. Lange hielt das Glück der "Alten Dame" aber nicht, denn keine fünf Minuten später lag der Ball im eigenen Tor, als Alassane Plea die Abwehr der Berliner alt aussehen ließ. Das Glück des Hauptstadt-Clubs war in der 37. Minute endgültig verflogen, als Niklas Stark Marcus Thuram im Strafraum zu Fall brachte. Den folgenden Elfer verwandelte Kapitän Lars Stindl souverän.

Für den zweiten Durchgang brachte Hertha-Coach Pal Dardai gleich drei neue Männer, um die auf dem Präsentierteller servierte Möglichkeit doch noch zu nutzen – mit schnellem Erfolg. Nach einer Abwehrtat von Sippel schaltete Matheus Cunha am schnellsten und bediente Córdoba im Zentrum perfekt, der die Kugel im Kasten unterbrachte. Trotz Unterzahl und langsam schwindender Kraft gestaltete Gladbach das Spiel in der finalen halben Stunde ausgeglichen. Dank eines guten Sippels im Tor blieb es bei der Punkteteilung.

VfB Stuttgart - Borussia Dortmund 2:3 (1:0)

Tore: 1:0 Kalajdzic (17.), 1:1 Bellingham (47.), 1:2 Reus (52.), 2:2 Didavi (78.), 2:3 Knauff (80.)

Viel Aufwand, wenig Ertrag. Borussia bestimmte das Geschehen, hatte deutlich mehr vom Spiel, doch es trafen die Hausherren. Borna Sosa mit einer langen Flanke auf Sasa Kalajdzic, der stand goldrichtig am zweiten Pfosten – ein gefühlvoller Kopfball zur Stuttgarter Führung. Dortmund investierte viel, drängte auf den Ausgleich, doch hochkarätige Chancen waren Mangelware. Noch. Mit Disziplin und Klasse verstanden es die Hausherren, den BVB auf Distanz zu halten. Toptorjäger Erling Haaland vor der Pause abgemeldet.

Nach dem Pausentee erwischten die Gäste einen Start nach Maß. Mahmoud Dahoud mit einem feinen Pass in die Spitze, Giovanni Reyna legte auf für Jude Bellingham – der Ausgleich. Und der BVB blieb am Drücker: Mateu Morey mit dem Blick für Marco Reus, ein Schlenzer zur Führung. Beim 1:2 noch geglänzt, baute Morey in Minute 79 einen riesen Bock: Ein haarsträubender Fehlpass landete in den Füßen von Kalajdzic, ein blitzschneller Konter über Tanguy Coulibaly und Daniel Didavi, das 2:2. Doch an diesem Abend hatte Dortmund immer eine Antwort parat. Haaland bediente Ansgar Knauff, und dieser zirkelte die Kugel per Innenrist aus 16 Metern in die Maschen.

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