Spahn: "Das falsche Signal"

Fan-Rückkehr? Gesundheitsminister gegen DFL-Pläne

Spahn zur Corona-Pandemie
© dpa, Michael Kappeler, mkx exa

11. August 2020 - 7:32 Uhr

Nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt

Mitte September startet die Bundesliga in die neue Saison. Das Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) sieht vor, dass auch wieder Zuschauer in die Stadien dürfen. Die Gesundheitsminister der Länder haben sich jedoch geschlossen gegen eine Rückkehr von Fans in die Bundesliga-Arenen zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgesprochen. Sie seien "zu einer einhelligen Position gekommen, dass wir ausgehend von der jetzigen pandemischen Lage es nicht befürworten, die Stadien zu öffnen", sagte die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Montag als Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz.

Ärzteverband warnt vor Fan-Rückkehr

"Gesundheitspolitisch befürworten wir zurzeit zumindest bis zum 31. Oktober die Öffnung der Stadien nicht. Danach kann man noch mal aufgrund der Lage miteinander diskutieren", sagte Kalayci, nachdem sie sich mit ihren Ressortkollegen und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit den Plänen der Deutschen Fußball Liga (DFL) befasst hatte.

"Wir sehen das Konzept der DFL als guten Willen und auch als gute Grundlage, sehen aber zwei Probleme", sagte sie. Zum einen werde die Ausgestaltung der Hygienekonzepte den Gesundheitsämtern überlassen, die schon jetzt sehr belastet seien. Das zweite Manko sei, dass das Konzept nicht die An- und Abreise und damit "kritische Infektionsmomente" beinhalte.

Video: Köster findet Rückkehr zur Normalität wichtig

Spahn stieß ins gleiche Horn. "Tausende Zuschauer in den Stadien - das passt nicht zum aktuellen Infektionsgeschehen", twitterte der CDU-Politiker. Jetzt heiße es, keine vermeidbaren Risiken einzugehen, betonte er. "Wir spüren, dass wir wachsam bleiben müssen. In der jetzigen Situation wären Zuschauer auf den Rängen das falsche Signal." Das Konzept der Deutschen Fußball Liga sei in der Theorie gut. Entscheidend sei in der Pandemie aber die Praxis im Alltag.

Auch der Ärzteverband Marburger Bund warnte vor einer Fan-Rückkehr. "Die Gefahr von Massenansteckungen wäre real. Wenn wir Pech haben, sitzt ein Superspreader unter den Fans, und das Virus breitet sich wie ein Lauffeuer aus", sagte die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ).

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"Das ist ja das Tückische"

Die Hygiene-Oberärztin bekräftigte ihre Bedenken: "Das ist ja das Tückische an Covid-19: Jemand kann überhaupt noch keine Beschwerden haben, aber trotzdem steckt sein Rachen schon voller Viren. Und wenn dann geschrien und gejubelt wird, kann es blitzschnell gehen."

Zu dem in der vergangenen Woche vorgestellten Konzept der DFL für einen erst reduzierten Wiedereinzug der Fans ohne Besetzung der Stehplätze, Alkohol und Gästefans sowie mit personalisierten Tickets, sagte Johna: "Die Bestrebungen der Liga sind mehr als nachvollziehbar. Aber dass ihr Konzept Ansteckungen verhindert, halte ich für unrealistisch."

Fan-Vertreter: "Nichts mit Fußball zu tun, den man vor Corona kannte"

Sie selbst schaue sich sehr gerne Fußballspiele im Stadion an und vermisse das, könne sich aber gerade deshalb nicht vorstellen, dass Fans auf ihren Sitzen hocken blieben, wenn ihre Mannschaft ein Tor schieße. "Da liegt man sich in den Armen und denkt nicht an Corona. Alles andere wäre geradezu unmenschlich", so die Ärztin.

RTL.de/dpa/sid