20. Mai 2019 - 9:56 Uhr

Franziska Weil: Mein Saisonfinale aus der rot-weißen Feder

Spannung bis zum Schluss: Erst am 34. Spieltag entscheidet sich die Meisterschaft. Borussia Dortmund oder der FC Bayern – wer reckt am Ende die Meisterschale gen Himmel? Ich glaube: Die Bayern werden es wieder machen.

Hoffnung macht keinen Meister

Nicht schon wieder diese Bayern, werden die meisten Fußballfans (abgesehen von FCB-Anhängern und einigen Schalkern) denken. Lieber ein schwarzgelbes Fahnenmeer am Dortmunder Borsigplatz als der zur Routine gewordene Meisterempfang auf dem Münchner Marienplatz. Sechs Mal in Folge wurden die Münchner Meister – ein siebtes Mal muss doch nicht sein, so der Tenor.

Aber: Hoffen hin oder her – die Bayern holen am Wochenende die Schale nach München.

Den BVB ärgern

Mats HUMMELS, FCB 5 Mario GÖTZE, BVB 10 talk, discuss, argue, entertain, action, give instructions, BORUSSIA DORTMUND - FC BAYERN MUNICH 3-2 - DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and/or QUASI-VIDEO - 1.German Soccer Lea
Meisterschaftsduell: Mats Hummels und die Bayern kämpfen gegen Mario Götze und den BVB um die Schale
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Viele Wochen zeigte sich an der Tabellenspitze ein ungewohntes Bild: Der BVB grüßte 20 Spieltage von oben. Zwischenzeitlich bauten die Schwarzgelben den Abstand auf den Rekordmeister sogar auf neun Zähler aus. Ein Hieb in die Magengrube der Bayern. Dann folgte die beherzte Aufholjagd der Münchner.

Vor dem letzten Spieltag der Saison heißt es: 75 Punkte für Bayern, 73 für den BVB. Bedeutet: Die Bayern haben es selbst in der Hand. Ein Unentschieden gegen Eintracht Frankfurt reicht, damit der Pott zum insgesamt 29. Mal nach München geht. Und das wird sich das Team von Trainer Niko Kovac nicht mehr vom Erzrivalen aus Dortmund nehmen lassen: Am Ende werden die Bayern von der Spitze winken – und die Magengrube der Westfalen wird rumoren.

Mia-san-mia-Mentalität gefragt

Nach Jahren der Bayern-Dominanz mit Meisterschaften im März oder Anfang April ist die Bundesliga so spannend wie lange nicht mehr. Auch wenn man sich fast nicht mehr daran erinnern kann: Der Titelkampf kann auch am letzten Spieltag noch entschieden werden.

Dass das möglich ist, haben in der Vergangenheit gerade die Bayern gezeigt: Zum Beispiel im Saisonfinale 2000/2001. An jenem letzten Spieltag, als sich Schalkefans schon mit Freudentränen in den Armen lagen und als Meister feierten, aber die Bayern zum Spielverderber wurden.

Gerade in solchen Momenten kommt sie hervor: Die Mia-san-mia-Mentalität. Das Gefühl, das Maximale erreichen zu wollen. Ein Gefühl der Überlegenheit und des Stolzes. Ein Gefühl, dass die Meisterschaft nicht an Dortmund verschenkt werden darf.

Erfahrung schlägt Spritzigkeit

Generationenduell: Jadon Sancho ist 19 Jahre alt, Thomas Müller und Robert Lewandowski mehr als zehn Jahre älter
Generationenduell: Jadon Sancho ist 19 Jahre alt, Thomas Müller und Robert Lewandowski mehr als zehn Jahre älter
© Imago Sportfotodienst

Im Duell Bayern gegen Dortmund heißt es auch: Alt gegen Jung. Robert Lewandowski, Jérôme Boateng oder Franck Ribéry, die alle die 30 schon überschritten haben, stehen BVB-Youngsters wie Jadon Sancho, Christian Pulisic oder Julian Weigl gegenüber.

"Bayern München ist es gewohnt, damit umzugehen. Auch wenn sie den einen oder anderen jungen Spieler haben, sie wissen wie Meisterschaft geht. In Dortmund wissen es zu wenige", sagte Ex-Bayern-Sportvorstand und BVB-Berater Matthias Sammer. Heißt: Erfahrung schlägt Jugend. Dortmund zieht den Kürzeren.

Würdiges Ende für Robbery

Der 34. Spieltag bedeutet für die Bayern nicht nur Meisterschaftskampf, sondern auch der Abschied der Flügelzange 'Robbery'. Und dieser Abschied soll eines Legenden-Duos würdig sein. Arjen Robben und Franck Ribéry, die maßgeblich am Triple-Gewinn 2013 beteiligt waren, sollen München mit einem Triumph verlassen.

Das wollen die Fans, das ist der Verein den beiden schuldig und das wollen Robben und Ribéry vor allem selbst. Der Niederländer träumte schon im Vorfeld von einem perfekten Abschiedsspiel in der Allianz Arena. Der Traum: Vorlage Robben, Tor Franck Ribery - oder gerne auch umgekehrt. "Das wäre ein Traum und ein Hammer. Nach zehn Jahren zusammen noch einmal Meister werden. Es gibt nichts Schöneres", sagte der 35-Jährige. Dazu wäre es die erste Heimmeisterschaft seit 2000.

Dusel für BVB nötig

Ob Mia san mia, Erfahrung oder Robbery-Abschied – es spricht so viel für die 29. Bayern-Meisterschaft. Da bräuchte der BVB ganz schön viel Dusel, um die Schale noch in den Pott zu holen. Und wird der nicht normalerweise den Bayern nachgesagt...?

Wer trotzdem glaubt, dass der BVB am Ende die Nase vorne hat, liest hier die Argumente, die für Dortmund sprechen.