Bundeskanzlerin zu Corona-Maßnahmen

Angela Merkel: "Wir wären eine schlechte Bundesregierung, wenn wir jetzt schon ein Datum nennen würden"

07. April 2020 - 10:12 Uhr

Wie geht es für uns in der Corona-Krise weiter?

Das Coronavirus schränkt das öffentliche Leben massiv ein, die Wirtschaft leidet. Doch wie lange wird das Virus noch unser Leben bestimmen? Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich heute in einem Pressestatement zu den derzeitigen Maßnahmen der Bundesregierung geäußert. "Wir wären eine schlechte Bundesregierung, wenn wir jetzt schon ein Datum nennen würden", sagte Merkel über mögliche Lockerungen der Maßnahmen. Das könne man nicht. Auch bei einer möglichen Lockerung lebe man weiter in der Pandemie. "Das Virus verschwindet nicht." Gleichzeitig dankte Merkel der Bevölkerung, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen sich an die Maßnahmen halte. Die genauen Worte der Bundeskanzlerin: Im Video.

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Gesundheitsschutz steht an oberster Stelle

Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, das als erstes der Einzelhandel, Restaurants und in bestimmten Regionen die Schulen wiedereröffnet werden könnten. Merkel sagte allerdings, dass man zu der Struktur der Lockerung noch nichts beschlossen habe. Da gebe es viele Vorschläge, der Gesundheitsschutz müsse aber "bei aller Notwendigkeit des wirtschaftlichen Handelns vorne angestellt werden."

Es wäre ganz schlecht, wenn man zu schnell voranschreite, dann bestehe die Gefahr, alles wieder zurücknehmen zu müssen. Bis zum 19. April würden die Maßnahmen auf jeden Fall bestehen bleiben, so Merkel. Sie äußerte sich aber auch optimistisch im Bezug auf die Wirkung der Maßnahmen: Man sehe an den aktuellen Zahlen und am Reproduktionsfaktor, dass man einen Schritt vorangekommen sei. Entwarnung geben könne man deshalb aber nicht.

Merkel: Selbstverständlich werden wir nach der Krise zu unserem freien Leben zurückkehren

Befürchtungen, das Leben könne auch nach der Corona-Krise weiter eingeschränkt bleiben, wies die Kanzlerin entschieden zurück. "Sobald es die gesundheitliche Situation zulässt, werden wir selbstverständlich zu dem freien Leben, das wir kennen, zurückkehren", sagte Merkel. Die einzige Grundlage der aktuellen Einschränkungen des öffentlichen Lebens sei die Gefährdung von Menschenleben. Niemandem fielen die aktuellen Maßnahmen leicht. Auch ihr als Politikerin fiele es nicht leicht, so etwas anzuordnen zu müssen. "Das ist etwas, das wir uns lieber erspart hätten, aber das die Umstände einfach erfordern."

Infrastruktur zur Herstellung von Masken soll auch in Deutschland und Europa aufgebaut werden

Merkel äußerte sich außerdem zu den Bemühungen der Bundesregierung, Schutzkleidung auch in Deutschland herstellen zu lassen. Deutschland und Europa müssten eigene Fähigkeiten zur Produktion von Schutzausrüstungen aufbauen. "Wir müssen hart arbeiten", damit das medizinische Personal mit den erforderlichen Produkten ausgestattet werden könne, sagt Merkel im Kanzleramt. Sie sagte außerdem, die Europäische Union stehe vor ihrer größten Bewährungsprobe seit Gründung. Alle seien davon gleichermaßen betroffen. Es müsse im Interesse aller sein, dass die EU stark aus der Krise herausgehe. "Deutschland wird es auf Dauer nur gut gehen, wenn es Europa gut geht", sagte Merkel. Die Corona-Pandemie komme einer Naturkatastrophe gleich. 

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