Merkel in ihrer Sommer-PK über Corona, 5 Jahre "Wir schaffen das" und mehr

"Es wird nicht so wie früher, solange wir keinen Impfstoff und kein Medikament haben"

29. August 2020 - 12:52 Uhr

von Andreas Kock

Einmal im Jahr stellt sich Angela Merkel der Presse. Normalerweise passiert das am Beginn des Sommers. Doch in diesem Jahr ist vieles anders. Corona beeinflusst auch die Routinen der Bundeskanzlerin. Doch blieb auch einiges wie immer: Merkel ruhte in sich, parierte jede Frage und zeigte ungebrochenen Arbeitseifer.

Corona geht weiter, Warnung vor dem Herbst

In ihrem Eingangsstatement dominierte die Corona-Krise. Die Bundeskanzlerin warnte eindringlich vor der "demokratischen Zumutung" des Corona-Virus. Der Herbst werde zur Herausforderung, gerade wenn sich das Leben nicht mehr "draußen" abspielen könne. "Es ist ernst. Nehmen sie es weiterhin ernst", so ihre Mahnung.

Die Kanzlerin bekräftigte zudem ihre Warnung, dass Deutschland und die Welt erst dann wieder zu einem Leben wie vor der Corona-Krise zurückkehren können, wenn es einen Impfstoff und ein Medikament gegen das Virus gibt. "Es wird nicht so wie früher, solange wir keinen Impfstoff und kein Medikament haben", sagte sie. Sie höre aber aus der "Entwicklungsszene", dass es sehr hoffnungsvolle Ansätze für Impfstoffe gebe. Wenn man überlege, wie lange das sonst dauere, stecke im Kampf gegen das Virus viel Kraft und Wille, das voranzubringen.

In ihrer Arbeit wolle sie dafür sorgen, dass die Kinder nicht zu Opfern der Pandemie würden. Sprich: Merkel entdeckt die Bildung in der Corona-Krise. Erst danach sprach sie sich für die weitere Stärkung der Wirtschaft und des sozialen Zusammenhalts in der Gesellschaft aus.

„Wir schaffen das!“

Fünf Jahre nach der Flüchtlingskrise würde die Bundeskanzlerin ihre Entscheidungen noch einmal so treffen. Man dürfe die Probleme nicht auf den Rücken der Menschen austragen. Sie verteidigte die damals geöffneten Grenzen und auch ihren legendären Spruch "Wir schaffen das!" Der habe sich etwas verselbständigt. Aber: "Jede Krise hat ihre eigene Sprache."

Merkels Corona-Alltag

In der anderthalb Stunden dauernden PK kam kaum Langeweile auf. Interessant wurde es, wenn Merkel Einblicke in den Arbeitsalltag gab. Nein, wegen Corona nicht reisen zu können, bringt ihr nicht mehr Freizeit. Ja, Videokonferenzen sind hilfreich. Aber dann auch wieder nicht, wenn das Thema neu ist, etwa ein EU-Wiederaufbaufonds. Dann wird's schwierig. Überhaupt sei Ihr aufgefallen, wie schwach Deutschland sich in digitalen Belangen präsentiert habe. Das wolle sie in der verbleibenden Zeit noch korrigieren.

Dienstschluss in einem Jahr

Alle Fragen zu ihrem Ausscheiden im Amt wehrte die Kanzlerin locker ab. Keine Ratschläge an die Kandidaten auf den CDU-Parteivorsitz. Nichts zu Plänen für die Zeit nach dem Kanzleramt. Reisen, Abschlussjobs – darüber wolle sie nicht sprechen. Lockerheit ließ sie nicht aufkommen. Dann richtete sich der Blick wieder auf Corona. Ein ernstes Thema, es gibt viel zu tun. Überhaupt sei es gut, dass sie in der Zeit der Videokonferenzen alle Staatschefs kenne. Amtsmüdigkeit im Job? Das gab es in der Berliner Bundespressekonferenz absolut nicht zu besichtigen.

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