Statement zu Videokonferenzen von G20 und des Europäischen Rats

Bundeskanzlerin Angela Merkel meldet sich aus der Quarantäne

26. März 2020 - 23:49 Uhr

Bundeskanzlerin seit Sonntag in Quarantäne

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich erstmals persönlich aus ihrer Quarantäne gemeldet und via Audiostream ein Statement zu den Videokonferenzen mit den G20-Ländern und dem Europäischen Rat abgegeben. Am Sonntag war der Bundeskanzlerin mitgeteilt worden, dass sie sich in Quarantäne begeben muss - sie hatte am Freitag letzte Woche Kontakt zu einem mit dem Coronavirus infizierten Arzt. Zwei seitdem durchgeführte Corona-Tests fielen bei der 65-jährigen Kanzlerin jedoch negativ aus.

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Bundeskanzlerin vermisst persönlichen Kontakt

In ihrem Audio-Livestream sagte Merkel, sie vermisse in ihrer häuslichen Quarantäne den persönlichen Kontakt beispielsweise zu ihrem Kabinett. Sie sei allerdings trotzdem "sehr, sehr gut beschäftigt". Sie verbringe viel Zeit in Videokonferenzen und Telefonschalten, sagte Merkel. "Trotzdem fehlt mir so ein bisschen, dass ich zum Beispiel bei den Kabinettssitzungen jetzt nicht persönlich dabei sein kann, dass ich die Leute dann nicht sehe oder dass man eben gar keinen persönlichen Kontakt jetzt hat."

Über die G20-Videokonferenz und das virtuelle Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU sagte sie, sie habe den Videogipfel "recht interessant" gefunden. "Aber es ist nicht ganz so gut, wie wenn man persönlich miteinander zusammensitzt."

Bundeskanzlerin bittet Menschen in Deutschland um Geduld

Merkel sagte außerdem, sie sehe noch keinen Grund, über eine Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu sprechen. "Es kann noch nicht der Zeitpunkt sein", sagte sie am Donnerstag in Berlin. Im Moment dauere es immer noch nur vier bis fünf Tage, bis sich die Infektionen verdoppeln. Diese Zeitspanne müsse sehr viel weiter gestreckt werden. Deswegen müsse sie die Menschen in Deutschland um Geduld bitten. Teile aus dem Audio-Statement der Kanzlerin können Sie sich oben anhören.

Merkel: Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie auf die Wirtschaft größer als die der internationalen Finanzkrise 2008

Im Bezug auf das Gespräch mit den anderen Mitgliedern des Europäischen Rates sagte Merkel, die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie seien nach ihrer Einschätzung größer als die der internationalen Finanzkrise 2008. Sie und die anderen Staats- und Regierungschefs der EU hätten die Finanzminister aufgefordert, binnen zwei Wochen technische Details einer Kreditlinie für die Euro-Zone auszuarbeiten.

Die 27 EU-Staaten einigten sich außerdem darauf, die seit Jahrzehnten geltenden Schulden- und Defizitregeln auszusetzen und Staatszuschüsse an Unternehmen weitgehend freizugeben, damit haben die 27 Länder fast völlig freie Hand zur Unterstützung ihrer Wirtschaft. Auf EU-Ebene wurden zudem Milliarden aus dem EU-Haushalt umgewidmet und gigantische Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank gestartet.

Für Deutschland sei der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) das Hauptinstrument, um anderen europäischen Ländern in der Coronavirus-Krise zu helfen. Auf die Frage nach Euro-Bonds sagt Merkel, der ESM gebe genügend Spielraum, um zu reagieren, ohne die Grundprinzipien aufzugeben.

Mit Euro-Bonds ist die Aufnahme gemeinsamer Schulden zu für allen günstigen Konditionen gemeint. Frankreich, Italien, Spanien und sechs andere Länder machten bei den Gesprächen Druck, in dieser beispiellosen Krise endlich die Karte zu ziehen, die sie schon lange für unausweichlich halten. Das wiederum ist für Deutschland, die Niederlande und einige andere Länder inakzeptabel. Sie fürchten, dass stärkere Länder für finanzschwache haften müssen.

Quelle: dpa/RTL.de