Bundesanwaltschaft fordert lebenslange Haft für Beate Zschäpe

12. September 2017 - 13:42 Uhr

"Für jeden einzelnen Mord lebenslänglich"

Im NSU-Prozess fordert die Bundesanwaltschaft lebenslange Haft für Beate Zschäpe. Für jeden einzelnen Mord sei diese Strafe fällig, sagte Bundesanwalt Herbert Diemer in seinem Plädoyer vor dem Münchner Oberlandesgericht. Diemer beantragte außerdem eine anschließende Sicherungsverwahrung für die mutmaßliche Rechtsterroristin.

"Ein Drittel eines verschworenen Triumvirats" gebildet

ARCHIV - Die Angeklagte Beate Zschäpe nimmt am 01.09.2017 im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München (Bayern) ihren Platz ein. Am 12.09.2017 wird der NSU-Prozess fortgesetzt. Voraussichtlich enden die Plädoyers der Bundesanwaltschaft. Foto: Pete
Die Bundesanwaltschaft fordert lebenslange Haft im NSU-Prozess für die Angeklagte Beate Zschäpe.
© dpa, Peter Kneffel, kne gfh vge sja

Die Anklage wirft Zschäpe Mittäterschaft an allen Verbrechen des 'Nationalsozialistischen Untergrunds' vor: Den neun Morden an türkisch- und griechischstämmigen Menschen, dem Mord an einer deutschen Polizistin, zwei Bombenschläge in Köln mit zum Teil Dutzenden Verletzten sowie zahlreichen Raubüberfällen.
 
Zschäpe habe mit ihren Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt die fanatische nationalsozialistische Gesinnung geteilt und daran mitgewirkt, Zuwanderer durch willkürliche Morde in Angst und Schrecken zu versetzen, hatte die Bundesanwaltschaft in ihrem Plädoyer argumentiert. Dabei habe sie Willen zur 'Tatherrschaft' gezeigt und habe "ein Drittel eines verschworenen Triumvirats" gebildet. Das Plädoyer der Anklage hatte schon vor der Sommerpause begonnen, nach mehr als vier Jahren Prozessdauer. 

Für den mutmaßlichen Terrorhelfer Ralf Wohlleben hat die Bundesanwaltschaft zwölf Jahre Haft wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen gefordert. Wohlleben soll die 'Ceska'-Pistole beschafft haben, mit der die Terrorzelle neun Menschen ermordete. 

Für Carsten S., der die Waffe einst zusammen mit Wohlleben beschafft haben soll, forderte der Ankläger eine Jugendstrafe von drei Jahren. Zugunsten von S. wertete Diemer dessen Aufklärungshilfe und dessen eigenes Schuldeingeständnis. Ohne Carsten S. hätte die Anklage nicht wie geschehen erhoben werden können, argumentierte Diemer.

Nach der Bundesanwaltschaft sind in den kommenden Wochen die Nebenkläger mit ihren Plädoyers an der Reihe, anschließend die Verteidigung. Mit einem Urteil in dem Mammutprozess wird in einigen Monaten gerechnet.