Bundesamt für IT-Sicherheit warnt: Gefahren im Netz wachsen

BSI-Chef Michael Hange (l.) und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (r.) warnen vor "digitaler Sorglosigkeit".
BSI-Chef Michael Hange (l.) und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (r.) warnen vor "digitaler Sorglosigkeit".
© dpa, Rainer Jensen

13. Januar 2015 - 19:33 Uhr

"Cyberangriffe werden immer professioneller"

Die oberste Behörde für die IT-Sicherheit in Deutschland warnt vor wachsenden Bedrohungen im Internet und beklagt eine "digitale Sorglosigkeit" vieler Bürger und Firmen. "Die Angreiferszene rüstet auf", sagte der Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Michael Hange. "Cyberangriffe werden immer professioneller."

Viele Internetnutzer und Unternehmen seien sich der Gefahren aber nicht ausreichend bewusst. Zu der jüngsten Attacke auf die Internetseiten der Kanzlerin und des Bundestages sagte Hange, die Besonderheit dabei liege nicht in der Technik, sondern in der politischen Bedeutung. Zu dem Angriff hatte sich eine prorussische Hacker-Gruppe aus der Ukraine namens 'CyberBerkut' bekannt.

Hange erklärte, mehr als eine Million Rechner in Deutschland seien mit Schadprogrammen infiziert und in sogenannten Botnetzen zusammengeschlossen, mit denen die Computer für Cyberangriffe ferngesteuert werden können. "Das ist ein erhebliches Gefahrenpotenzial." Jeder Rechner könne zu einem Tatwerkzeug werden, ohne dass der Nutzer das überhaupt merke.

Cyberangriffe seien bequem und das Entdeckungsrisiko für die Täter gering, betonte der BSI-Chef. Die technischen Instrumente seien im Netz zu kaufen und beispielsweise Botnetze zu mieten. Das Dunkelfeld der Cyberkriminalität sei sehr groß und die Aufklärungsquote niedrig.

Digitale Sorglosigkeit weiter problematisch

Die Sensibilität für die Gefahren im Cyberraum bei Bürgern und Firmen habe sich durch die Enthüllungen der US-Geheimdienstaffäre zwar verbessert, sagte Hange. Eine "digitale Sorglosigkeit" sei aber noch immer weit verbreitet. "Viele Nutzer und Firmen merken gar nicht, wenn sie Opfer einer Cyberattacke werden." Zum Teil fehle es an Kompetenz, Gefahren zu erkennen und für genügend Schutz zu sorgen. In vielen Firmen werde außerdem zu wenig in IT-Sicherheit investiert. Gerade bei kleinen mittelständischen Firmen hapere es noch.

Am vergangenen Mittwoch hatte ein schwerer Hackerangriff auf die Internetseiten von Kanzleramt und Bundestag für Aufsehen gesorgt. Die Seiten waren stundenlang lahmgelegt. Die Truppe 'CyberBerkut' begründete die Attacke mit der deutschen Unterstützung für den ukrainischen Ministerpräsidenten Arseni Jazenjuk, der am gleichen Tag zu Besuch in Berlin war. Die Webseiten gehören nicht zum Regierungsnetz, sondern liegen bei einem kommerziellen Betreiber. Das BSI ist deshalb nicht unmittelbar für ihren Schutz zuständig. Hange betonte aber, den Angreifern sei es gelungen, mit der Attacke große öffentliche Aufmerksamkeit für ihre politische Botschaft zu schaffen.

Der Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik Hans-Dieter Heumann sagte, in Zukunft würden politische Auseinandersetzungen verstärkt im Cyberraum ausgetragen. Der Angriff der prorussischen Hackertruppe zeige, "wie wichtig es ist, sich mit dem Thema Cybersicherheit zu befassen und künftig - stärker als bisher - die sicherheitspolitische Relevanz in den Vordergrund zu rücken".

Im Vorwort des BSI-Lageberichts zur IT-Sicherheit warnt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vor einer "resignativen Stimmung" bei privaten Anwendern, die sich "immer häufiger in einer subjektiven Situation der Machtlosigkeit gegenüber den anscheinend übermächtigen Bedrohungen" sehen. Bis zu 95 Prozent der gängigen Angriffe seien aber abzuwehren, wenn Nutzer die verfügbaren Sicherheitsmaßnahmen ausschöpften. Diese Möglichkeiten ungenutzt zu lassen, verschärfe unnötig die IT-Sicherheitslage, so de Maizière weiter.