Bürgerkrieg in Syrien greift auf Nachbarländer über

06. Juni 2013 - 22:12 Uhr

Feuergefechte zwischen israelischen und syrischen Streitkräften

Stürzt der Bürgerkrieg in Syrien den Nahen Osten ins Chaos? Immer häufiger ist es in jüngster Zeit zu Zwischenfällen in den umliegenden Grenzgebieten gekommen. Gab zuletzt noch die türkisch-syrische Grenze Anlass zur Sorge, so droht das Assad-Regime nun auch das benachbarte Israel in den Konflikt reinzuziehen. Den dritten Tag in Folge wurde nach Angaben des israelischen Armeerundfunks von Syrien aus auf die von Israel annektierten Golanhöhen geschossen.

Anhänger der Schiiten-Miliz Hisbollah kämpfen auf der Seite von Machthaber Assad.
Auch im Libanon sind die ersten Opfer des syrischen Bürgerkriegs zu beklagen.
© REUTERS, STRINGER

Ein israelisches Armeefahrzeug ist auf den Golanhöhen von Syrien aus unter Beschuss geraten, teilte das Militär in Tel Aviv in einer schriftlichen Erklärung mit. Das Fahrzeug sei beschädigt worden, aber es habe keine Verletzten gegeben. Die israelischen Streitkräfte hätten das Feuer erwidert und die Schützen auf der anderen Seite der Grenze getroffen.

Das Generalkommando der syrischen Armee erklärte wenige Stunden später, die Regierungstruppen hätten das Feuer auf ein israelisches Militärfahrzeug eröffnet, das die Waffenstillstandslinie auf den Golanhöhen überquert habe. Daraufhin habe "der israelische Feind" eine syrische Armeestellung in dem Dorf Al-Subaidija bombardiert. Es habe auf syrischer Seite keine Opfer gegeben.

Die mit dem Iran verbündete Schiitenmiliz Hisbollah, die in Syrien auf der Seite des Assad-Regimes kämpft, hatte Angriffe an den Golanhöhen angekündigt. Erst vor knapp einer Woche waren mehrere in Syrien abgefeuerte Raketen im nördlichen Bereich der von Israel besetzten Golanhöhen eingeschlagen. In diesem Fall hatte Israel nicht zurückgeschossen, da davon ausgegangen wurde, dass die Geschosse bei den innersyrischen Kämpfen nur versehentlich über die Grenze geflogen waren.

Ein Übergreifen des Bürgerkriegs in Syrien auf die Nachbarländer gilt als eine der größten Sorgen der internationalen Staatengemeinschaft. Israel hat sich das Recht vorbehalten, gegen Waffenlieferungen der syrischen oder iranischen Regierung an die radikale libanesische Hisbollah-Miliz militärisch vorzugehen. Hisbollah gilt als verlängerter Arm des schiitischen Mullah-Staats Iran und kämpft vom Libanon aus gegen Israel.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte in diesem Zusammenhang, Israel sei auf alle Szenarien in Syrien vorbereitet. Erst letzte Woche war CIA-Chef John Brennan zu einem unangemeldeten Besuch in Jerusalem, um gemeinsam mit den Israelis die prekäre Lage in Syrien zu analysieren.

Hisbollah spielt "aktive und zunehmende Rolle" in Syrien

Auch im Libanon spürt man die Auswirkungen des Bürgerkriegs im Nachbarland. Im grenznahen Bezirk Akkar wurden acht Menschen durch Granaten verletzt, die von Syrien aus abgefeuert worden waren. Unter den Verletzten seien mehrere syrische Flüchtlinge, berichtete die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA.

Zuvor war es in der nördlichen Stadt Tripoli zu Unruhen gekommen, als die Armee versucht hatte, Gefechte zwischen libanesischen Gegnern und Anhängern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu beenden. Bewaffnete Libanesen sind auch in Syrien präsent. In den vergangenen Tagen waren Kämpfer der mit Assad verbündeten Schiiten-Miliz Hisbollah von Rebellen in der syrischen Kleinstadt Al-Kusair getötet worden. Kleinere Gruppen sunnitischer Kämpfer kämpfen auf der Seite der syrischen Rebellen.

Die USA verurteilten die Einmischung von Hisbollah-Kämpfern im syrischen Bürgerkrieg aufs Schärfste. Die Beteiligung der Hisbollah beim Angriff auf die Rebellenhochburg Al-Kusair am Wochenende bezeichnete das US-Außenministerium als "direkte Intervention". Die Hisbollah spiele laut Außenamtssprecher Patrick Ventrell eine "entscheidende Rolle in der Offensive des Regimes".

Auch US-Präsident Barack Obama äußerte sich in einem Telefongespräch mit dem libanesischen Präsidenten Michel Suleiman besorgt über die Einmischung. Er sprach von einer "aktiven und zunehmenden Rolle" der Hisbollah in Syrien.

Am Pfingstwochenende sollen bei Kämpfen und Luftangriffen in Syrien mehr als 300 Menschen getötet worden sein. Die Regierungstruppen versuchten, die von den Aufständischen beherrschte Kleinstadt Al-Kusair nahe der libanesischen Grenze einzunehmen. Dabei sollen auch mehr als ein Dutzend Kämpfer der libanesischen Hisbollah getötet worden sein.